„Clockwise“ von Christopher Morahan

Als Gott die Welt erschuf, nahm er sich volle sechs Tage Zeit dafür – und dieser Müßiggang war vermutlich aller Laster Anfang. Brian Stimpson (John Cleese) jedenfalls hätte das Ganze besser organisiert, mit Stoppuhr und ohne überflüssige Ruhepausen. Denn Stimpson hat seine Zeit nicht gestohlen – er hat hart für sie gearbeitet. Und er hat es geschafft: Brian Stimpson ist Schuldirektor und somit Herr über die Zeit aller Schüler und Lehrer. Die fürchten ihn gehörig, denn Stimpson hat nicht nur die Macht, er hat auch gute Argumente: „Erscheint die Sonne jemals zu spät am Horizont und sagt: Verzeihung, Sir, der Bus war voll und die Bahn wurde bestreikt?“ Der beste Freund dieses Mannes ist seine Uhr.

Eines Nachmittags aber, auf dem Weg zu einem wichtigen Treffen, setzt sich Stimpson in den falschen Zug, verpaßt den richtigen, muß per Anhalter reisen, wird aufgehalten und das Opfer diverser Mißverständnisse, verliert den Anschluß und den Überblick, seine Brieftasche, seine Selbstsicherheit, schließlich sogar seine Uhr. Und ohne Uhr steht Stimpson nackt da – den Angriffen der Sekundenzeiger wehrlos ausgeliefert.

Christopher Morahan inszeniert, wie es dieser Geschichte angemessen ist: mit exaktem Timing, präzise und erbarmungslos wie ein Uhrwerk. Und natürlich gehört in einen solchen Film ein wirksamer running gag: „Right“, sagt Stimpson bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit – und seine Mitspieler fassen das nicht als Seufzer, sondern stets als Richtungsangabe auf.

„Clockwise“ wurde 1985 gedreht, kommt also mindestens zwei Jahre zu spät in unsere Kinos. Was ja ganz gut paßt zu diesem Film.

Claudius Seidl

Kill, Daddy, kill“ von Joseph Rüben