Über seine Verdienste mochte er nicht reden. Orden und Ehren nahm er mit dem ihm eigenen Understatement und Humor zur Kenntnis: „Ich will Dir sagen...“, so begannen viele Gespräche, „ich will Dir sagen, da wird mir doch von der Universität Berlin die Ehrendoktorwürde verliehen für genau die Tätigkeit, für die ich im März 1938 ausgebürgert worden bin: die Herausgabe deutscher Literatur.“

Fritz Landshoff, der große Verleger des deutschen Exils, ist am 30. März 1988 in Haarlem bei Amsterdam gestorben. In den zwanziger Jahren hat er als Direktor des Kiepenheuer Verlags die Literatur des „neuen Deutschland“ entdeckt und gefördert. Er hat den Weimarer Intellektuellen, die 1933 nach dem Verdikt von Goebbels „verstummen und verdorren“ sollten, in den Niederlanden ein neues Forum geschaffen, eine literarische Heimat im Exil und oft genug die finanzielle Basis zum Überleben. Und in den letzten zehn Jahren war er es, der versuchte, den Nachgeborenen Brücken zu bauen zu einer Zeit und zu Menschen, über die wir an Schulen und Universitäten zu wenig hörten. Fritz Landshoff wurde für viele von uns ein inspirierender Zeuge dieses Jahrhunderts. Er war ein weiser Mentor, er war unser väterlicher Freund.

Dem Sohn aus großbürgerlich jüdischem Hause war ein Leben als Verleger nicht unbedingt vorgezeichnet. 1901 in Berlin geboren und betont musisch erzogen, lernte er erst nach Studium und Promotion in der Germanistik das Handwerk das sechzig Jahre seines Lebens ausfüllte. Nach einer Lehre beim Kunstbuchverlag Seemann in Leipzig ging er 1926 als Juniorpartner zu Gustav Kiepenheuer.

Landshoff half Kiepenheuer aus der finanziellen und strukturellen Krise und prägte das Gesicht des Verlags, der zum linksbürgerlichen Sprachrohr der Weimarer Republik wurde: Anna Seghers, Bertolt Brecht, Gottfried Benn, Heinrich Mann, Georg Kaiser, Arnold Zweig, Lion Feuchtwanger, Hermann Kesten, Marieluise Fleisser, Joseph Roth und Ernst Toller gehörten zu seinen Autoren.

Daß er, wie viele der bewußten Republikaner, die drohende politische Entwicklung nicht früh genug erkannte, hat er sich lange vorgeworfen. Nach dem Reichtagsbrand wurde seine Wohnung, die er mit Toller teilte, von SA-Leuten durchsucht. Landshoff konnte nach Amsterdam fliehen. Als Partner des holländischen Verlegers Emanuel Querido hat er im April 1933 den Verlag aufgebaut, der die in Hitlers Deutschland verbotene Literatur am Leben erhielt.

Klaus Mann, den er in Paris traf, wurde „ein brüderlicher Freund“ und sein wichtigster Mitarbeiter. Was Klaus Mann der seit September 1933 bei Querido erscheinenden Zeitschrift Die Sammlung ins Programm schreib, galt auch für seinen Verleger: „... der Literatur dienen, d.h. jener hohen Angelegenheit, die nicht nur ein Volk betrifft, sondern alle Völker der Erde“.

Bis zum Mai 1940 brachte Landshoff 124 Bücher heraus, darunter den „Henri Quartre“ von Heinrich Mann, „Transit“ von Anna Seghers und „Die Geschwister Oppermann“ von Feuchtwanger. Über England und Mexiko kam er 1941 in die USA. Der Versuch, zusammen mit Bermann-Fischer in den Staaten einen Markt für deutsche Exilliteratur zu finden, scheiterte. Nach dem Krieg mußte Landshoff feststellen, daß die drei westlichen, insbesondere aber die amerikanischen Besatzungsbehörden kein Interesse daran hatten, die knappen Papiervorräte für den Druck von Exilliteratur zur Verfügung zu stellen. Der kalte Krieg und die Neigung zu verdrängen taten ein übriges: die verbannten Autoren und ihr Verleger fanden keinen Platz in der neu gegründeten Bundesrepublik.