Seitdem Pakistan die Genfer Afghanistan-Verhandlungen mit der Forderung blockiert, noch vor dem Abzug der Sowjettruppen müsse eine streng islamische Regierung in Kabul installiert werden, steckt Gorbatschow in der Klemme: Einerseits möchte der Kreml-Chef als ernsthafter Friedenspolitiker gelten. Andererseits will Moskau in den Augen befreundeter Staaten der Dritten Welt weiterhin ein zuverlässiger Wegweiser in Richtung Sozialismus bleiben.

Schewardnadses österliche Reise zum Hindukusch diente darum nicht nur der Sondierung, ob Nadjibullah den Abzug sowjetischer Truppen auch ohne Genfer Garantievertrag überleben kann, sondern sie war auch eine Gegen-Demonstration an die Adresse Pakistans: Wenn Moskau seine Truppen ohne Abkommen heimführt, könnte der von den Sowjets weiterhin munitionierte Nadjibullah zumindest den rohstoffreichen Norden Afghanistans militärisch halten. Im befreiten Süden und Osten würde dann unter den siegreichen, aber heillos zerstrittenen Widerstandsparteien vermutlich ein Bürgerkrieg ausbrechen. Die drei Millionen afghanischen Flüchtlinge, die derzeit Pakistan bevölkern, würden weiterhin ihrem Gastgeberland zur Last fallen.

Mit solchen Aussichten bringt Gorbatschow nun Pakistan in die Klemme. M. H.