ARD, immer montags: "Liebling – Kreuzberg"

Er hat eine Menge Vorschußlorbeeren eingeheimst, der Robert Liebling aus Kreuzberg – muß man ihn noch vorstellen? Er, beziehungsweise sein Darsteller Manfred Krug und sein Autor Jurek Becker haben, nachdem vor zwei Jahren die erste "Liebling"-Staffel ausgestrahlt worden war, Lob und Dank und einen Preis erhalten. Heuer stehen uns 13 weitere Folgen ins Haus, sieben haben wir bis jetzt sehen können.

Und wirklich, Liebling bringt’s. Manfred Krug ist das, was man ein komödiantisches Naturtalent nennt; er kann gar nicht schlecht sein, nicht mal die "Sesamstraße" hat ihn kleingekriegt. Aber daß in dieser Sendung auch die Nebenfiguren mit Delikatesse modelliert und mit Geschick besetzt worden sind, erfreut erst so richtig: Neben dem großen, beleibten und animalischen Liebling arbeitet als Sozius ein zierlicher und nervöser Rechtsgelehrter namens Arnold, ein Mensch, der völlig unscheinbar wirkt und doch weiß, wo’s langgeht (glänzend gespielt von Michael Kausch). Und Gehilfin ist zwar eine Blondine, aber klischeewidrig keine Superbraut, sondern eine kompetente und komische Dame mittleren Alters (Corinna Genest).

Die Episoden, Rechtsfälle, wie sie das Leben so konstruiert, bestechen durch ihre realitätsnahe Kuriosität: Da läuft ein Falschgelddrucker herum, der sich die Blüten vielleicht doch nur von einem englischen Touristen hat aufdrücken lassen; eine kleptomanische Krankenschwester bedankt sich bei ihrem Anwalt mit einem Blutdruckmeßgerät; ein Antiquitätenhändler hat einen Penner an seiner Statt in den Knast geschickt und wird nun erpreßt; und ein Vater hat nicht warten wollen, bis der Krankenwagen kam, und seine angefahrene Tochter selbst in die Klinik gebracht – ja, manchmal wundert man sich, was so alles verboten ist.

Wo immer die Szenerie vor Ort aufgeschlagen ist, in der Kanzlei, vor Gericht, in der Kantine des Justizgebäudes, in den Büros der Staatsanwaltschaft oder am Tatort selbst, da ist der Film gut: klar, trocken, zum Staunen, zum Kichern.

Aber das Seriengesetz verlangt den Blick in die Privatsphäre, und diesem Gesetz sind Autor Becker und Regisseur Werner Masten offenbar nicht gern gefolgt. Eigentlich spricht das für sie. Aber es hinterläßt Schadstellen in der Serie.

Natürlich trifft der Protagonist eine Dame, sie ist Staatsanwältin und legt sich zunächst vor Gericht mit ihm an. Diana Körner spielt Lieblings prospektive Freundin tadellos, sie hat ferner Schönheit und eine aparte dunkle Stimme zu bieten. Doch die Staatsanwältin ist als Rolle so blaß, steif und synthetisch, so bloße Kontrastfigur ihres Partners, daß da einfach nichts zündet. Noch schlimmer ist eine andere "private" Figur geraten: Lieblings Mutter. Die Mama (Karin Hardt), die ihren Buben nicht lassen kann, die für ein paar Tage zu Besuch kommt und sechs Wochen bleibt und ihre Nase in alles steckt – die hatten wir schon, und die steht uns hier oben.