Eine Aussage von Hermann R. Franz, Vorstandsmitglied der Siemens AG, über zukünftige Entwicklungen auf dem Halbleitersektor hat die Konkurrenz verschreckt. Weil der bei dem Münchner Elektrokonzern für die Bauelemente zuständige Manager die Meinung vertreten hatte, Siemens und der niederländische Philips-Konzern würden die bevorstehende Entwicklung der Technologie für 64-Mega-Bit-Speicherchips „allein“ vorantreiben, fühlt sich der italienisch-französische Konkurrent SGS-Thomson Microelectronics von einer gemeinsamen europäischen Entwicklung dieser kommenden Chip-Generation ausgeschlossen.

SGS, nach Philips zweitgrößter Chip-Hersteller in Europa, will dagegen in einem gemeinsamen Entwicklungsprojekt neben SGS-Thomson die Firmen Philips, Siemens und das britische Unternehmen Plessey zusammenfassen, um gleichberechtigt für insgesamt rund 2,5 Milliarden Mark diesen Baustein in den kommenden acht Jahren serienreif machen. Nur so hätten die Europäer eine Chance gegen die auf diesem Gebiet führenden japanischen Konzerne.

„Es geht um das Überleben der ganzen europäischen Elektronikindustrie“, meint der SGS-Manager Philippe Geyres, der vorrechnet, daß das Halbleitergeschäft von Philips, SGS und Siemens zusammen noch immer geringer ist als das des größten japanischen Konkurrenten NEC. Siemens spielt nach dieser Reaktion die Franz-Aussage etwas herunter. Ein Sprecher meint: „Wir haben nicht die Absicht, jemanden von dem Projekt fernzuhalten.“

Wenn sich die sechs der dreizehn Opec-Ölminister, die im Preisausschuß der Organisation sitzen, an diesem Samstag in Wien treffen, werden sie sich zwar mit einem altbekannten Thema beschäftigen, doch vermutlich genauso ratlos sein wie schon in den vergangenen Jahren. Denn nicht einmal die achtzehn Dollar pro Barrel (159 Liter), die der nigerianische Ölminister und Opec-Präsident Rilwanu Lukman erst kürzlich wieder als „fairen Preis“ nannte, beikommen sie gegenwärtig für ihren Rohstoff.

Auf den Weltmärkten werden bis zu vier Dollar weniger bezahlt, als die Opec offiziell fordert. Die Bundesrepublik etwa importierte in den ersten beiden Monaten dieses Jahres gut sieben Prozent mehr Rohöl als im gleichen Vorjahreszeitraum, bezahlte dafür aber weniger, weil die Preise um dreizehn Prozent gesunken sind (dabei spielt allerdings auch der günstige Wechselkurs zum Dollar eine Rolle).

Die Schwierigkeiten des einst so mächtigen und mittlerweile sehr bescheidenen Kartells haben mehrere Ursachen. Wegen des milden Winters in den nördlichen Ländern sind die Lager der Verbraucher voll, sie kaufen weniger als erwartet. Nicht einmal in dieser Situation hält sich die Opec an ihre eigenen Bedingungen. In den ersten beiden Monaten förderten die dreizehn Länder mehr als die fünfzehn Millionen Barrel pro Tag, die sie sich selbst als Grenze gesetzt haben. Inzwischen wird sogar Saudi Arabien verdächtigt, seinen Kunden unzulässige Preisrabatte zu gewähren, um mehr verkaufen zu können.

Doch nicht einmal eigene Disziplin könnte dem Ex-Kartell noch aus der Preis-Patsche helfen. Viele Ölländer, die nicht zur Organisation gehören, fördern nämlich munter drauflos. Der saudische Ölminister Hisham Nazer hat zwar gerade versucht, einige zur Kooperation mit der Opec zu bewegen, doch es ist fraglich, ob er seinen Kollegen am Samstag Erfolg melden kann. Großbritanniens Maggie Thatcher hat sich bislang standhaft geweigert mitzumachen.