International bekannte Persönlichkeiten als Werbeträger zu engagieren ist ein teures Vergnügen. Ab und zu geschieht jedoch auch in der PR-Branche ein kleines Wunder, und ein allerorten berühmter Mega-Star rührt gänzlich kostenlos die Werbetrommel.

Das jüngste Beispiel hierfür bietet die in Markdorf am Bodensee ansässige Reißwolf-Firma Schleicher & Co, der Oberstleutnant Oliver North unschätzbare Werbedienste zum Nulltarif geleistet hat.

Die Gratis-Promotion begann im vorigen Sommer vor dem Washingtoner Untersuchungsausschuß über unerlaubte amerikanische Waffenlieferungen an den Iran. Unter den ungläubigen Blicken der Senatoren und vor einem weltweiten Fernsehpublikum erläuterte der smarte Colonel, wie er, unterstützt durch seine hübsche Sekretärin Fawn Hill, alle belastenden Dokumente aus seinem Büro im Weißen Haus kurzerhand durch den Reißwolf gejagt habe. Auf Fragen nach dem Inhalt der vernichteten Unterlagen stellte der patriotische Saubermann schlitzohrig lächelnd fest, auch sein Gedächtnis sei seit besagter Beseitigungsaktion leider „shredded“, auf deutsch: durch den Wolf gedreht.

Nachdem sich die amerikanischen Massenmedien der Büromaschine angenommen hatten, dauerte es nicht lange, bis die Herkunft des Papierschluckers aus dem Büro von Oliver North geklärt war. Eine Intimus 007 S der deutschen Firma Schleicher sollte es gewesen sein. Die Kunde von dem nützlichen Zerkleinerungsapparat verbreitete sich schnell, und im Januar kürte das Wissenschaftsmagazin Discover den Reißwolf zur Maschine des Jahres.

Der Erfolg der Gratis-Werbung ließ bei Schleicher nicht lange auf sich warten. Auf Messen konnten sich Firmenvertreter vor Fragen nach dem „Ollie-Special“ nicht mehr retten. Der Umsatz des Markdorfer Unternehmens in den Vereinigten Staaten stieg 1987 um 25 Prozent; weltweit wurde rund ein Fünftel mehr Reißwölfe abgesetzt als vor Ollies Fernsehshow. „North hat den Reißwolf zum Gesprächsthema gemacht“, berichtete Lothar Thomas, Vorstandsmitglied des unerwartet geförderten Unternehmens.

So dankbar die Reißwolfspezialisten dem populären Colonel für die Publicity auch sind, so vehement betonen sie jedoch, daß ihr Geschäft nicht erst seit dem Polit-Skandal in Washington einen Boom erlebt. Gestiegenes Datenschutzbewußtsein und eine steigende Papierflut, so Thomas, sorgten schon seit Anfang der achtziger Jahre für beträchtliches Wachstum. „Nach Berichten von Kindern, die beim Spielen vertrauliche Krankenblätter finden oder von geheimen Konstruktionszeichnungen, die im Straßengraben landen, sind unsere Kunden hellhörig geworden. Unsere Aktenvernichter werden gekauft wie ein Safe oder eine Versicherungspolice“, erklärt Lothar Thomas.

Der in Bedrängnis geratene North war mit nur einem Schleicher-Produkt offensichtlich „unterversichert“. Wegen belastenden Materials aus Akten, die der Colonel nicht mehr rechtzeitig in Konfetti verwandeln konnte, muß sich der Ex-Soldat nun bald vor einem US-Gericht verantworten.