Diesmal verhalf der pure Zufall der Bonner Regierung zu dem Ruf, besonders schnell auf Gesundheitsgefahren für die Bevölkerung reagiert zu haben. Als Anfang der Woche Umweltminister Klaus Töpfer seinen Plan bekanntgab, den Gehalt von Perchlorethylen (Per) in Lebensmitteln gesetzlich auf 0,1 Milligramm pro Kilo zu beschränken, mußte die Öffentlichkeit glauben, dies sei eine besonders flinke Reaktion auf die gerade erst bekanntgewordene Verseuchung von Olivenöl.

Doch das ist falsch. Dann hätte nämlich Gesundheitsministerin Rita Süssmuth den Verordnungsentwurf vorstellen müssen. So will es die Kompetenzverteilung im Lebensmittelgesetz. In Wirklichkeit hat Töpfer reichlich spät darauf reagiert, daß Per-Dünste aus Reinigungsgeschäften Butter, Käse und Fleisch vergiftet haben. Und wann der neue Grenzwert Rechtskraft haben wird, ist noch ungewiß. Für die gerade in Kraft getretene Schadstoffhöchstmengenverordnung hat Bonn ganze siebzehn Jahre lang beraten.

Unterdessen hat die EG-Kommission, die die Herstellung von Olivenöl mit jährlich fast acht Milliarden Mark subventioniert, schneller gehandelt: Verkauf, Export und Lagerung von Olivenöl mit mehr als einem Milligramm Per werden ab sofort nicht mehr gefördert. Stellt sich nur die Frage, warum ein bißchen Per im Öl auch weiterhin mit Steuergeldern honoriert wird. vo