Der gute alte Sir David Lindsay würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüßte, wie nachhaltig sein exklusiver Status nachhaltig ist. Mit welch weltmännischer Überlegenheit meisterte doch unser Freund aus Karl-May-Tagen alle schier unüberwindbaren Schwierigkeiten auf Reisen. Nicht zuletzt dank der Hilfe von Archie, seinem Butler, der immer dann zu unerreichter Größe heranwuchs, wenn der Schlamassel dem Höhepunkt zutrieb.

Ohne Archie, diesem Improvisationsgenie, hätte unser Sir David niemals derart erfolgreich den snob appeal eines Abenteurers pflegen können. Und ohne Archies Wunder-Reisetasche, in der für die faltbare Badewanne genausoviel Platz war wie für den allfällig notwendigen Heißluftballon, wäre uns dieses spleenige Gespann nie so sympathisch ans Herz gewachsen. Resultierte die Zuneigung nicht ganz aus der Absurdität der Situationen, in denen die beiden sich unablässig bewährten? Das konnte doch alles nicht wahr sein!

Und dennoch ist es wahr geworden. Schon erreichen uns nämlich Berichte, denen zufolge es üblich ist, daß heutzutage Hinz und Kunz mit Mountain-Bikes und Gleitfallschirmen selbst im Himalaya unterwegs sind. Je nach Lust und Laune radeln sie mal eben über ein hinderliches Stück Gebirge auf Kathmandu zu oder reisen, auf dem Weg nach Lhasa, freischwebend via Fallschirm ein – ganz losgelöst vom Hier und Jetzt.

Für Surf-Fans ist Kaschmir schon in greifbare Nähe gerückt – vom Hausboot direkt auf den Dal-See hinaus –, und recht originell wäre es sicher auch, per Kajak den Ganges hinunterzupaddeln: mit Totenverbrennung bei Benares und anschließendem Workshop über Hermann Hesses „Siddhartha“.

Billige Träger fürs Sportgerät gibt es in diesen Teilen der Welt ohnehin genug, und längst hat sich herumgesprochen, daß man ihnen Lasten aufbürden kann, unter denen zu Hause selbst die Achsen eines Kleintransporters zu ächzen begännen. Drum: „Rent your Archie“ und dann hinein in die unberührte Natur, ins Reich der umgebremsten Möglichkeiten.

Sogleich ist jede Diskriminierung vergessen, unter der der aufrechte Sportsmann daheim zu leiden hat: keifende Förster, die aufgescheuchtes Wild gefährdet sehen, und zeternde Vogelschützer, die gluckenhaft verlassene Brutgelege beklagen.

Globetrottende Unbekümmertheit weiß sich zu helfen. Denn noch gibt es Regionen, in denen wir ungezwungen unsere „Cross-Gefühle“ ausleben können, wo wir ungehindert die eigene „Körperlichkeit“ wiederentdecken dürfen.

Und mit der Spendenquittung für den World Wildlife Fund in der Tasche fährt sich’s um so entspannter querfeldein – oder einfach mittendurch. Klaus Betz