Präsident Reagan will seinen ins Zwielicht geratenen Justizminister Edwin Meese nicht fallenlassen.

Einen Sturm wie den in der vergangenen Woche hat es im amerikanischen Justizministerium seit dem Watergate-Skandal nicht gegeben. Der stellvertretende Justizminister nahm, gefolgt von fünf weiteren hohen Beamten, den Hut aus Protest gegen die Amtsführung des Ministers. Wer freilich geglaubt hatte, der Minister selbst würde nach einem so massiven Mißtrauensvotum den Rücktritt wählen, der sah sich getäuscht. Ein Mann wie Edwin Meese streicht nicht mitten im Sturm die Segel.

Ein Rücktritt zum jetzigen Zeitpunkt, so meinte er, wäre das Eingeständnis einer Schuld. Ohne jede Scham hat Meese als frohe Botschaft aufgenommen, daß Sonderstaatsanwalt McKay, der die Untersuchungen gegen ihn leitet, zu dem vorläufigen Befund gekommen ist, für eine Anklageerhebung gegen Edwin Meese reiche die Beweislage im Augenblick nicht aus.

McKay untersucht, ob Meese als Kabinettsmitglied für die Förderung eines irakischen Pipeline-Projekts Honorare eingestrichen hat. Auch Anlagengeschäfte, die Meese während seiner Amtszeit getätigt haben soll, werden geprüft. Der Mann an der Spitze des Justizministeriums hat mit den eigenen Rechtsschwierigkeiten alle Hände voll zu tun. Dennoch scheint er fest entschlossen zu sein, die letzten Monate der Präsidentschaft Ronald Reagans auszusitzen. Er wird ja auch gehalten und gestützt, und zwar von keinem anderen als vom Präsidenten selber, dem Edwin Meese seit zwanzig Jahren ein getreuer Ekkehard gewesen ist.

Die Demokraten wittern ein Wahlkampfthema, die Republikaner fürchten, daß die Demokraten eines bekommen, und die alten Reagan-Ideologen sehen ihre Chancen schwinden, das Justizministerium als letztes Instrument der „konservativen Agenda“ bis zum Schluß zu halten. Der Ruf, Edwin Meese solle zurücktreten, schallt aus vielen Lagern. Doch Ronald Reagan bleibt dabei: „Ich habe volles Vertrauen in ihn.“

U. Sch. (Washington)