In Nordrhein-Westfalen stehen Verbände der freien Wohlfahrtspflege und der Kirchen im Verdacht, Landesgelder für ihre sozialen Beratungsstellen erschwindelt zu haben.

Der Düsseldorfer CDU-Generalsekretär Helmut Linssen sprach von „einem der größten Subventionsschwindel in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen“, Sozialminister Hermann Heinemann (SPD) kündigte „schonungslose Aufklärung“ an: An Rhein und Ruhr hat der Landesrechnungshof „Unregelmäßigkeiten“ in den Abrechnungen der Verbände der freien Wohlfahrtspflege und der Kirchen festgestellt.

Minister Heinemann, dem ein 167seitiger Prüfbericht vorliegt, räumte in 61 Fällen Verstöße gegen Richtlinien und „gravierende Fehler“ im Umgang mit Landesgeldern ein. Betroffen sind die Arbeiterwohlfahrt, das Diakonische Werk, die Caritas und nahezu alle anderen Träger, die Schwangerschafts-, Ehe- und Lebensberatungsstellen unterhalten. Sie sollen es in den vergangenen acht bis zehn Jahren mit der Verwendung staatlicher Zuschüsse nicht allzu genau genommen haben. Die Revisoren rügten, daß Personalkosten doppelt geltend gemacht, Fördermittel mehrfach beansprucht und Honorare für Fachkräfte berechnet wurden, die bei Beratungen gar nicht anwesend waren. Person? liche Bereicherung habe es dabei in keinem Fall gegeben. Doch wollen die Rechnungsprüfer bei den Verbänden auch strafbare Handlungen ausgemacht haben. Über die Höhe der umstrittenen Beträge machte Heinemann keine Angaben. Nun will die Landesregierung das Zuschußverfahren und die Erfolgskontrolle überprüfen. ill