Das amerikanische Fremdenverkehrsamt in Frankfurt hat sechs Tonnen Informationsmaterial erhalten. Doch für potentielle Amerikaurlauber ist es Glückssache, an eine dieser Broschüren heranzukommen.

Einfach eine Karte an die US-Vertretung in Frankfurt zu schreiben und um Auskunft und Prospekte zu bitten, das wäre der falsche Weg. Denn das amerikanische Fremdenverkehrsamt (USTTA) hat mangels Geld und Personal den direkten Kontakt zum reisenden Publikum bereits im vergangenen Jahr eingestellt. Und obwohl aller Voraussicht nach in diesem Jahr rund 1,2 Millionen Bundesbürger für die Ferien in die USA reisen, bleibt das Geld auch 1988 knapp.

Das Informationsmaterial mußte die deutsche USTTA-Vertretung bei den verschiedenen Bundesstaaten im Land zusammenbetteln und von einer US-Fluggesellschaft nach Frankfurt fliegen lassen. Die mitgelieferten Broschüren „Ferienplaner USA“ sind Restbestände aus einer Aktion einer Illustrierten. Reisebüros können jetzt auf das Material zurückgreifen und es an ihre Kundschaft verteilen. Allerdings müssen sie die Zusendung des Materials selbst bezahlen.

Ob die Agenturen diese Unterlagen dann kostenlos an Interessenten, die womöglich nicht einmal im Reisebüro buchen, weitergeben, bleibt ihnen überlassen. Das gilt auch für Gebietsbroschüren, die jetzt bei einem deutschen Verlag hergestellt und zum Stückpreis von einer Mark an Reisebüros abgegeben werden.

In den Handel mit US-Prospekten und -karten haben sich inzwischen auch schon andere US-Vertretungen eingeschaltet, die bislang ihre Hauptaufgabe in der Repräsentanz amerikanischer Reisefirmen in Deutschland sahen. Eine Besserung der finanziellen Situation ist für das amerikanische Fremdenverkehrsamt in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Zwar ist im Haushaltsentwurf für 1989 die Abschaffung dieser Vertretung nicht vorgesehen, doch muß sich dieses Amt weiterhin bescheiden und wird mit einem Budget von elf Millionen Dollar weltweit auskommen müssen.

So kann denn das deutsche Fernsehen weiterhin als „Entwicklungshelfer“ für die Amerikaner auftreten. Der ARD-Ratgeber „Reise“ schickt interessierten Urlaubern eine Liste mit Anschriften der Tourismusbehörden der einzelnen US-Bundesstaaten zu, bei denen dann Informationsmaterial angefordert werden kann. Schließlich verfügen viele Bundesstaaten über ein größeres Tourismusbudget als die Bundesbehörde in Washington.

Klaus J. Scheidler