James Reston, Nestor der amerikanischen Kolumnisten, kritisierte in der New York Times die Kandidatenkür für die Präsidentschaftswahl.

Der beste Witz, den ich über diese Präsidentschaftswahlen gehört habe, stammt von Phil Dunne aus Kalifornien, dem Sohn des verstorbenen Finley Peter Dünne: „Jetzt steigt die Magermilch nach oben.“

Haargenau. Nach all dem Lärm, den Debatten und Skandalen ist alles, was den Wählern angeboten wird: Vizepräsident George Bush, Gouverneur Michael Dukakis, Jesse Jackson und Senator Albert Gore. Überraschenderweise schlucken die Wähler dieses dünne Zeug.

In den wenigen Staaten, wo Vorwahlen stattfanden, beteiligten sich die meisten Wähler erst gar nicht daran, und von denjenigen, die kamen, wählten viele Kandidaten, die sie anschließend als unqualifiziert abtaten.

Verblüffend genug: George Bush hat die Nominierung bei den Republikanern gewonnen, bevor die Wähler in den großen Bundesstaaten die Chance hatten, auf dem Wahlzettel zu vermerken: keinen der Obigen.

Dukakis führt einen Feldzug gegen eine brokered Convention, gegen den Versuch, die Kandidatur erst auf dem Parteitag auszuhandeln, als ob die Delegierten kein Recht hätten, eine Entscheidung zu fällen. Und Jesse Jacksons Leute unterstellen, eine Stimme für jemand anderen sei in Wahrheit ein Votum „Stoppt Jesse“, weil er schwarz ist. Daran ist etwas Wahres, aber es geht an der Tatsache vorbei, daß viele Leute glauben, seine Verteidigungs-, Wirtschafts- und Steuerpolitik würde das Land spalten und den Demokraten ihre vierte Niederlage in den vergangenen sechs Präsidentschaftswahlen bescheren.

Trotzdem muß man anerkennen, daß Jackson die Demokraten wachgerüttelt hat. Ihre eigenen Meinungsumfragen deuten darauf hin, daß Dukakis den Süden verlieren und den Norden langweilen würde. Erst als Jackson in Michigan gesiegt hatte, begannen sich die Demokraten mit dem Gedanken vertraut zu machen, daß er die Nominierung gewinnen könnte und sie dann nicht nur das Weiße Haus, sondern auch die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat verlieren könnten.