DIE ZEIT: Herr Senator Kuhbier, warum wollen Sie bei der nächsten Umweltministerkonferenz den Antrag stellen, Asbest bundesweit zu verbieten?

Kuhbier: Es ist doch ein Wahnsinn ersten Ranges, daß in Hamburg wie in anderen Bundesländern Schulpavillons geschlossen und dort Asbest herausgeholt wird, während in anderen Gebäuden mit öffentlichem Zugang, zum Beispiel in Banken und Kaufhäusern, noch fleißig Asbest eingebaut werden darf.

ZEIT: Ihr Antrag kommt aber reichlich spät.

Kuhbier: Die Hamburger Politiker beschäftigen sich schon seit zehn Jahren mit diesem Thema. Damals hat der Senat unter Ausschöpfung seiner Möglichkeiten den Einbau von Asbest in öffentliche Gebäude grundsätzlich verboten. Wenig später gab es auch den ersten Bericht des Umweltbundesamtes, und 1981 hat Hamburg eine erste Initiative in die Umweltministerkonferenz eingebracht.

ZEIT: Offenbar ohne Erfolg. Wer war der Bremser?

Kuhbier: Das war vor allem der Bund, damals noch die sozial-liberale Koalition, und es waren die wirtschaftsorientierten Länder. Ich bedaure sehr, daß die 1981 angefangene Asbestdiskussion nicht intensiv fortgeführt worden ist und wir jetzt aufgrund einer sehr starken öffentlichen Diskussion sehr harte und rigide politische Maßnahmen fordern müssen. Das führt zu einer eigentlich überflüssigen Frontstellung. Aber in ruhigen Situationen kann man offensichtlich keine Interessenwiderstände überwinden.

ZEIT: Es gibt bis heute nicht einmal einen Grenzwert für die zulässige Asbestkonzentration in der Luft.