DIE ZEIT: Die Ruhrgebietskonferenz hat vor über einem Monat stattgefunden. Alle Teilnehmer haben sich lobend über das Treffen und vor allem die gute Atmosphäre geäußert. Auf konkrete Ergebnisse aber wartet man vergeblich. Reicht gute Stimmung alleine, um die Revier Probleme zu lösen? Rudolf v. Bennigsen Foerder: Die Tatsache, daß es auf der Konferenz tatsächlich so etwas wie einen Schulterschluß gegeben hat, ist schon sehr wichtig gewesen. Das war nicht so ohne weiteres zu erwarten. Das Entscheidende aber ist natürlich: Wie geht es weiter? In den Unternehmen wird eine Reihe von Vorschlägen ausgearbeitet, über die in den nächsten Monaten - und ich bin sicher noch vor der Sommerpause - in Abstimmung mit der Bundes- und Landesregierung entschieden werden wird. Bei der Veba gibt es beispielsweise Projekte im Rahmen der Stadterneuerung, die gerade für die Bauwirtschaft von allergrößter Bedeutung sind. Die Umsetzung der Pläne hängt nun davon ab, daß die wohnungsrechtlichen Bestimmungen und Voraussetzungen geschaffen werden. Eines ist sicherlich richtig: Zur Realisierung der Beschlüsse gehört nochmal eine Kraftanstrengung. Ich bin aber optimistisch.

Friedhelm Farthmann: Jeder, der angenommen hat, die Ruhrgebietskonferenz würde eine so oder so geartete Entscheidung für Rheinhausen fällen, der ist von falschen Voraussetzungen ausgegangen. Das war nicht möglich, und das konnte auch niemand ernsthaft erwarten. Aber wenn, wie der Bundeskanzler versprochen hat, die Deutsche Bundespost 1 5 Milliarden Mark zusätzlich im Ruhrgebiet, und vornehmlich in Duisburg, investiert, dann hat das, auch was neue Arbeitsplätze anbetrifft, schon eine Auswirkung, die nicht von Pappe ist. 1 5 Milliarden Mark zusätzlich von einem einzigen Unternehmen, das ist ja nicht ganz ohne. Im übrigen ist entscheidend, daß dies ein Anfang war.

ZEIT: Das Ruhrgebiet ist also von Bonn doch nicht vergessen worden? Vor der Konferenz hatte man ein bißchen diesen Eindruck.

Bennigsen: Ich habe ja hier nicht für Bonn zu reden, aber dieser Eindruck ist so nicht richtig. Vielmehr hat der Herr Bundeskanzler wiederholt die Verpflichtungen der Bundesregierung gegenüber dem Ruhrgebiet angesprochen.

Farthmann: Ich weiß vom Ministerpräsidenten, daß er sich seit zwei Jahren um ein Gespräch beim Bundeskanzler bemüht hat. Das ist nicht zustande gekommen. Ich gebe zu, daß wir das zuletzt in einer etwas rüden Form öffentlich angemahnt haben, was sicherlich auch einen Verschnupfungseffekt in Bonn ausgelöst haben mag. Aber umso bemerkenswerter finde ich es, daß wir dann alle zu einer Gemeinsamkeit gefunden haben.

ZEIT: Herr v. Bennigsen, nun gab es ja nicht nur Verstimmungen zwischen Bonn und Düsseldorf. Die Wirtschaft und Sie selbst auch haben immer wieder beklagt, das Klima zwischen der Landesregierung und der Wirtschaft sei nicht so, wie es sein müßte, um die Probleme des Ruhrgebietes zu überwinden. Gilt das noch immer? Bennigsen: Die Psychologie spielt auch bei Investitionsentscheidungen eine ganz große Rolle. Jedoch war der Dialog mit der Landesregierung gleich null. Das war für das Investitionsklima nicht gerade förderlich. Seit einiger Zeit allerdings hat sich das deutlich geändert.

Farthmann: Ich kann nicht ausschließen, daß es in Gremien - wie etwa in unserer Partei, wie vielleicht in der Regierungsmannschaft - einen Stimmungswandel geben kann, auch in dem Sinne, daß unternehmerischen Investitionen wieder ein höherer Stellenwert zugemessen wird. Ich glaube aber nicht, daß es je einen Zeitpunkt gegeben hat, zu dem die Regierung gemeint hätte, sie könne mit dem Kopf durch die Wand. Jede Regierung, die nicht versuchen würde, zu einem vernünftigen Miteinander zu kommen, wäre schlecht beraten. Bennigsen: Die Handlungen der Landesregierung waren mitunter nicht geeignet, Unternehmen zu veranlassen, an der Ruhr zu investieren. Da werden zwar auf der einen Seite Glanzbroschüren über "ein starkes Stück Deutschland" gedruckt. Auf der anderen Seite wird mittels Smogalarm das Bild vom rußigen und dreckigen Ruhrgebiet beschworen. In dieser Dramatik mußte das nicht sein. Auch in anderen Bundesländern hat es Smogsituationen in gleicher Form gegeben, ohne daß deswegen das Land am Pranger stand. So etwas, um ein Beispiel zu nennen, hat die Ansiedlungsbereitschaft beeinträchtigt. Um nicht mißverstanden zu werden: Natürlich ist Smogalarm richtig, wenn er notwendig ist. Und die Industrien des Ruhrgebietes haben zügig und klaglos Milliarden in die Luftreinhaltung investiert, damit Smog vermieden wird.