Chefredakteur Manfred Bissinger und seine Natur-Redaktion leisten jeden Monat auf rund 100 Seiten „Widerstand gegen den endgültigen ökologischen Untergang“. Sie kümmern sich längst nicht mehr bloß um Heckenkirsche, Berberitze, Hand-Spülmittel, Alkylphenolethoxylate oder die Dialekte der Wildschweine. Nein, den Münchener Redakteuren geht es – „ein bißchen Pathos muß erlaubt sein“ – um die Verteidigung des „Gesamtkunstwerks Natur“. Damit sie unter der Last der herkulischen Aufgabe nicht zusammenbrechen, haben sie sich mit einem Giganten der Öko-Szene, mit Reinhold Messner, zusammengetan.

„Da die Machtpositionen in Wirtschaft und Politik vorläufig nicht von sensiblen Naturmenschen besetzt sein werden“, will Reinhold Messner, der Berg-Extremist, selbst Hand anlegen und eine „Organisation“, eine „Welt-Organisation“ gründen. Die neue „Welt-Organisation“ wird die „letzten unbesiedelten Erdregionen“ schützen helfen. Wie das geschehen soll, lassen Natur und Messner leider offen. Vielleicht nach dem Beispiel der amerikanischen Naturparks? Immerhin weiß Messner schon, warum er gerade um die letzte Wildnis kämpfen will: „Jahrtausendelang waren einzelne Orte dem Menschen heilig und unantastbar, dort wohnten Götter, dort war das Nichts, dort lagen – meist versteckt oder nur Auserwählten zugänglich – die Erkenntnisse. Der Mensch erschließt die heiligen Orte für profane Zwecke und zerstört ein Medium, das ich Universität für Naive nennen möchte.“ Was oder wen mag er damit nun wieder ansprechen?