Kulturmoden entstehen durch Journalisten, die zeitgenössische Werke loben, über die das Publikum die Köpfe schüttelt.

Das eigentliche Abenteuer beginnt erst auf dem Sterbebett.

Bei einem Autounfall ist Oliver Hassencamp in Bayern ums Leben gekommen. Der 1921 geborene Schrifsteller, der gleich nach dem Krieg für das Kabarett gearbeitet hat, wird jetzt als „Bestseller-Autor“ verabschiedet („Bekenntnisse eines möblierten Herrn“). Hassencamp war aber mehr: ein nachdenklicher Mensch, der zur Freude jüngerer und älterer Leser Kinderbücher schrieb und geduldig an Lebensweisheiten feilte, wie wir sie hier drucken (aus dem Band „555 kandierte Sätze – Aphorismen“; Nymphenburger Verlagshandlung).

Ertappt!

Natürlich, ähem, kennt der Redakteur seinen Goethe und weiß, daß dieses wunderschöne Buch mit Suleika und Hatem unterm ginkgo biloba „West-östlicher Divan“ heißt. Doch der Setzer hat nun mal seinen Duden, und in dem tiefen Loyalitätskonflikt zwischen Redakteur und dem Buchstabengesetzbuch zieht der Redakteur allemal den kürzeren. Denn: im Duden, da steht es schwarz auf weiß – und falsch: [Goethes] „Westöstlicher Diwan“. Ja, was macht man da? Man ruft zum Beispiel in Mannheim an, in der Duden-Redaktion, und fragt ganz lässig (ertappt, hähä): „Wissen Sie eigentlich, wie man Goethes Buch...“ und so weiter. Doch der Triumph wird zum Desaster. Natürlich weiß man dort, und: „Natürlich steht es Ihnen frei“, den Titel auch mit Bindestrich und „v“ zu schreiben, historisch allerdings; denn heute, heute halte man es – Goethe hin, Goethe her – mit dessen „Diwan“ orthographisch nun mal so „wie bei uns“. Das ist ja allerhand, und ganz sprachlos hängt man ein. Nicht daß man der „neuen“ Schreibweise keinen Geschmack abgewönne, vielleicht würde sogar Goethe selber, lebte er heute... doch wie unglaublich, gar monströs ist nur das andere Ergebnis dieser Recherche: Der Duden stellt es uns frei. Alßo wen dehm so izt, ja zum Toiphel... warumb auch nich?

Kreativ sitzen

Die Jury zur Preisvergabe für den Design- Wettbewerb „Einrichtungsgegenstände“ des Verbandes Creative Inneneinrichter e.V. hat getagt und Goldene Worte für einige von 446 Bewerbern eingereichte Entwürfe gefunden. Über die hier abgebildete „Rückenlehne“ von Hermann Becker erfahren wir: „Mit diesem Entwurf wird das Thema ’Sitzen’ wieder völlig neu gedacht. Die konkret umgesetzte Idee löst Assoziationen aus, die an das Anlehnen an einen Baum erinnern. Sitzen kann wieder bewußt und mit einem Höchstmaß an Entspannung erlebt werden – gleichsam als Meditation.“