Dies alles erinnert an den „Irrenwitz“: Sitzt ein Mann, schlägt sich mit dem Hammer auf den Finger, immer wieder. Weshalb? „Weil’s so angenehm ist, wenn der Schmerz nachläßt.“ Warum streiten sich die Bonner Koalitionspartner wie die Kesselflicker? Weil’s so schön ist, wenn der Kanzler wieder Ruhe schafft.

Für jeden Auftritt in diesem lustvoll-lustlosen Osterstreit gab es irgendeine Erklärung. Was Geißler will, was Strauß nicht will, das wissen wir längst. Daß Lambsdorff sich mit seinem Raunen vom Partnertausch nur als künftiger FDP-Vorsitzender von Weitblick und Integrationskraft empfehlen wollte, war leicht zu erkennen; Genscher hat ihm demonstriert, wie man durch das Nicht-Ereignis eines Frühstücks, die Bagatelle eines Baguettes zur nationalen Norne erheben kann. In ihrer Summe freilich wirken solche Mätzchen unsäglich seicht.

„Wir amüsieren uns zu Tode“ – unter diesem Titel schrieb Neil Postman über die Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. Frieden und Sicherheit, Arbeit und Umwelt, Solidarität und Liberalität – es gibt wahrlich Wichtigeres als das Bonner Theater und des Kanzlers Theaterdonner. Wenn die Parteien den Ansehensverlust der Politik beklagen, brauchen sie nicht weit zu greifen: nur an die eigene Nase. R. L.