Konflikte kurz vor der endgültigen Zuspitzung sind gerade explosiv genug: Ein Angriff der Contras in Nicaragua. Oder der Überfall eines libyschen Kampfflugzeugs auf eine US-Militärstation. Wenn die Welt in die Krise gerät, haben Top-Journalisten Hochkonjunktur. Sie leben von der show, in der so manche die große Katastrophe proben. Je größer die Gefahr, desto mehr werden sie von ihr angelockt.

Beispielsweise die Nachrichten im amerikanischen Fernsehen: Die Faszination der umfassenden Information als schöner Schein, überall dabei zu sein. Vor Ort erläutert der Auslandskorrespondent den Hintergrund der Lage. In Washington berichtet der Reporter des Weißen Hauses über die Reaktion des Präsidenten. In irgendeinem Büro erklärt ein Fachmann die näheren Umstände. Auf der Straße erzählen Passanten von ihren spontanen Reaktionen. Und im Studio kommentiert ein erfahrener Redakteur die Ereignisse.

Brooks’ Film bietet einen kurzen Blick hinter die Kulissen, und der zeigt die Konstruktion des schönen Scheins: Die Vielfalt der Information – nur Strategie, um eine abwechslungsreiche show zu bieten. Die Präsenz der Berichte – nur eine geschickte Dramaturgie. Die präzisen Fragen des Moderators – nur die Einflüsterung eines gewieften Reporters: über Telephon in die Produzentin und über einen kleinen Kopfhörer weiter an den Moderator. "Hier geb’ ich’s durch, und da kommt es sofort wieder ’raus", murmelt selbst der Reporter fassungslos vorm eigenen Bildschirm.

Die meisten Hollywood-Filme mit Journalisten als Helden erzählen detective stories – von Welles’ "Citizen Kane" (1940/41) bis zu Pakulas "Die Unbestechlichen" (1978) und Weirs "Ein Jahr in der Hölle" (1983). Wenn die Polizei und Staatsanwaltschaft versagen, müssen Journalisten an ihre Stelle treten, um die Wahrheit zu enthüllen. Doch schon Wilders "Reporter des Satans" (1951) macht sichtbar, wie wichtig die show ist, um eine Nachricht gut zu verkaufen – unabhängig von den Fakten. James L. Brooks geht in "Broadcast News" noch einen Schritt weiter: Er zeigt zum einen, wie chancenlos selbst der beste Reporter bleibt, wenn er sich der show verweigert. Zum anderen stellt er klar, wie selbstverständlich dieses System funktioniert.

Selbstverständlich ist "Broadcast News" weder Politthriller noch Schulungsfilm. Er ist ein Melodram. In Hollywood reflektiert der Filmemacher ja nicht sein Thema, er lotet dessen emotionale Seite aus. Brooks benutzt das Nachrichtenstudio, um die Gefühle seiner Protagonisten vor einen besonders faszinierenden Hintergrund zu stellen. Die äußere Hektik des Jobs vertritt den inneren Wirrwarr der Gefühle gleich mit.

Zwei altkluge Kinder und ein Junge, der nichts weiß, aber alles lernen will, auch wenn er sich noch so schwer tut damit: Das sind die späteren Helden. Als sie erwachsen sind und gemeinsam als Reporter (Albert Brooks), Produzent (Holly Hunter) und Moderator (William Hurt) beim Fernsehen arbeiten, haben die Besserwisser nichts dazugelernt, aber der Schüchterne weiß noch immer, daß er vieles lernen muß. Die beiden Männer können sich natürlich nicht ausstehen. Die Frau ist mit dem Reporter befreundet, in den Moderator verliebt sie sich – nach und nach. Als sie endlich entschieden hat, was sie will, ist es längst zu spät.

Doch auch die zweite Chance, die sie unerwartet noch erhält, läßt sie aus. Als sie erfährt, daß der Mann, den sie liebt, einen Bericht manipuliert hat, um dessen emotionale Wirkung zu steigern, sagt sie sich von ihm los. Sie stellt ihre Auffassungen und Moral über ihre Gefühle. Für diese Trennung wählt Brooks ein langes, ruhiges, melodramatisches Bild: William Hurt auf einem Flugsteig, der sich langsam von der Hafenrampe löst und einen Abgrund bildet zu der Frau, die zurückbleibt.