Und zum dritten! Nach zwei vergeblichen Anläufen versucht die CSU jetzt erneut, ihren Steuerexperten Reinhold Kreile in den Bundestag zu bugsieren, weil sein Sachverstand in der Diskussion um die Steuerreform vermißt wird. Bei der letzten Bundestagswahl fiel Kreile durch und wartet jetzt als erster Nachrücker auf der bayerischen Landesliste darauf, nach Bonn zurückzukehren.

Der erste Versuch eines Comebacks schlug gleich nach der Wahl fehl. Da wurde dem Versorgungsunternehmen Rhein-Main-Donau AG in München nahegelegt, doch den CSU-Bundestagsabgeordneten Karl Heinz Lemmrich zu seinem Vorstandssprecher zu machen. Doch wie schon zuvor blieb Bayerns Finanzminister Max Strubel der Meinung, Lemmrich sei nicht der richtige Mann – und Kreile mußte warten.

Auch der zweite Anlauf blieb für den Steueranwalt erfolglos. Bei den bayerischen Kommunalwahlen im vergangenen März hatte der CSU-Abgeordnete Ortwin Lowack gute Chancen, Oberbürgermeister von Bayreuth zu werden. Er hätte dann auf sein Bonner Mandat verzichtet, um sich ganz der Kommunalpolitik zu widmen. Doch die SPD brachte ihren Kandidaten durch.

Jetzt basteln die Christsozialen an einer neuen Konstruktion, um Platz in Bundestag zu schaffen. Es geht um den Sitz von Günther Müller, seit 1965 im Bundestag, erst für die SPD, dann seit 1972 für die CSU. Er ist der erste CSU-Nachrücker für das Europa-Parlament, und nach dem Tod seines Parteifreundes Heinrich Aigner steht er vor der Wald, ob er den Gang nach Strasburg antreten soll oder nicht. Da in der CSU Doppelmandate verpönt sind, müßte Müller sich von Bonn verabschieden, wenn er sich für Europa entscheidet. Doch noch kann Kreile der Koffer nicht packen. Denn Müller will zumindest bis Anfang Dezember beide Mandate wahrnehmen.

Lutz G. Stavenhagen, Staatsminister im Bundeskanzleramt und möglicherweise Nachfolger von Forschungsminister Heinz Riesenhuber, falls der ins Verteidigungsressort wechselt, ist zwar nicht Opfer eines Computer-Virus geworden, wohl aber Opfer einer vom Schreibcomputer getilgten Zeile (Bonner Kulisse vom 1. April). Dadurch wurde Stavenhagen zum Parlamentarischen Staatssekretär im Forschungsministerium, wo er doch tatsächlich im Auswärtigen Amt gedient hat.

Das Bonner Presse- und Informationsbüro der Europäischen Gemeinschaft hat einen neuen Leiter – und siehe da, es ist genau der, von dem von Anfang an gemunkelt wurde, daß er es werden würde: Gerd Langguth, ehemaliger CDU-Bundestagsabgeordneter.

Als die Stelle im vergangenen Dezember ausgeschrieben wurde, paßte sie wie angegossen auf Langguth (ZEIT Nr. 2/1988). Kein Wunder: Er war der eindeutige Kandidat von Bundeskanzler Helmut Kohl, was der in einem Brief an EG-Präsident Jacques Delors auch unmißverständlich zum Ausdruck brachte. Klar, daß keiner der über fünfzig Mitbewerber eine Chance hatte.