Um den samstäglichen Frühstücksbesuch des Ehepaars Genscher bei den Lafontaines ranken sich allerlei Spekulationen, die jedoch jeder Grundlage entbehren. Es war nämlich alles ganz harmlos.

Als um Ostern herum bei Lafontaines das Telephon klingelte, sprang Klein-Frederic übermütig zum Apparat.

„Hier ist niemand. Wer dort? – Pappi, ein Mann für Dich.“

„Wie heißt der Mann, Frederic?“

„Wie heißt Du, Mann? Ach, Onkel Genscher...“ Schon hatte ihm sein Vater den Hörer aus der Hand gerissen.

„Einen schönen guten Tag, lieber Kollege Genscher, auch mal wieder im Lande? Was verschafft mir das Vergnügen? Doch hoffentlich keine Absage Ihres Messebesuchs... Na, da fällt mir ja ein Stein vom Herzen ... Sie lesen gerade Ihre Eröffnungsrede? Hahaha. – Und was gibt es sonst so?... Also mit dieser Idee sprechen Sie mir direkt aus dem Herzen. Heute morgen sagte ich noch zu meiner Frau: Mit dem Genscher müßte man sich mal ganz zwanglos treffen, zwei Seelen, ein Gedanke. So ein Treffen wie damals in New York, um sich mal so richtig auszusprechen ... Tja, wie wär’s denn mit einem kleinen Landgasthaus? Unsere Küche genießt einen guten Ruf...“

Inzwischen war Ehefrau Margret vom Garten hereingekommen. Er legte den Finger an die Lippen „Pst“ und flüsterte nur „Genscher!“