Von Reinhold Ronibach

Das Gespür für den rechten Moment ist an der Börse Gold wert. Tim Schmiel, der Aktienexperte der Düsseldorfer Simonbank, hat es. Er verkaufte die spanische Aktie SNIACE in der ersten Märzwoche zum Höchstkurs – heute notiert der Wert fünfzehn Prozent niedriger. Der realisierte Gewinn aus diesem Geschäft brachte der Bank 11 719,32 Mark ein. Alles in allem vermehrte sich das Startkapital der Privatbank im ZEIT--Börsenspiel um fast ein Viertel auf 124 843 Mark innerhalb von nur drei Monaten. Die Führungsposition konnte mithin kräftig ausgebaut werden.

„Die spanische Börse dürfte dieses Jahr zu den vielversprechenden Märkten gehören“, ist sich Schmiel sicher. Deshalb investierte er sein verfügbares Geld in den iberischen Versicherungswert Seguros zum Stückpreis von umgerechnet 42,52 Mark. Der in Valencia gehandelte Titel ist der einzige börsennotierte private Krankenversicherer in Spanien. Die Aussichten auf hohe Wachstumsraten sind sehr gut, da die Bevölkerung seit langem mit der öffentlichen Krankenversicherung äußerst unzufrieden ist und vermehrt zu den privaten ausweicht. Die Prämieneinnahmen bei Seguros sind 1987 um 1,465 Milliarden Pesetas sprunghaft auf 2,478 Milliarden Pesetas (37,49 Millionen Mark) gestiegen. Für das laufende Jahr wird eine Verdoppelung auf fünf Milliarden Pesetas vorausgesagt. Der für 1988 geschätzte Reingewinn soll sogar das Zwölffache des Wertes von 1986 erreichen. Im Vergleich zu den Deutschen ist Seguros allerdings noch ein Winzling, weil private Krankenversicherungen erst seit Mitte der achtziger Jahre in Spanien zugelassen sind.

Die Wertentwicklung des Assekuranztitels mit einem Gewinn von knapp zwanzig Prozent zeigt, wie gut die Kaufentscheidung war. Vagen Gerüchten zufolge soll überdies der niederländische Versicherer Aegon bereit sein, 1200 Prozent für Seguros zu zahlen, das entspräche etwa dem Doppelten des Kaufkurses der Simonbank.

Die beiden anderen Aktien im Depot der Bank, American Cyanamid und North Kalgurli, entwickelten sich nicht wie erhofft. Beim amerikanischen Chemiekonzern ist ein Minus von 4,75 Prozent auf den Einstandspreis von umgerechnet 90,47 Mark eingetreten, der Wert des australischen Goldminentitels ist gar um knapp ein Viertel gefallen.

Langsam entwickelt sich der niederländische Verlagswert VNU zum Renner der Bank in Liechtenstein (BIL). Anlageexperte Hubert Günter kaufte das Papier zu 54,28 Mark. Zwischenzeitlich ist der Kurs auf 69,50 Mark gestiegen – ein Plus von 28,04 Prozent. Günter will den Wert erst abstoßen, wenn der Kurs bei achtzig Mark liegt, da seiner Meinung nach VNU immer noch weltweit eine der preiswerten Verlagsaktien ist und im Gegensatz zu den Konkurrenten Elsevier oder Wolters & Kluwer mit einem Kurs-/Gewinnverhältnis (KGV) von knapp elf als unterbewertet gilt. Trotz dieses Zuwachses ist das BIL-Depot mit einem Gesamtvermögen von nunmehr 107 983 Mark nicht so erfolgreich verwaltet worden wie das der Düsseldorfer Mitstreiter. Als Zweitplazierte liegen die Frankfurter zwar nicht schlecht, angesichts der Entwicklung an den Weltbörsen mit knapp zwölf Prozent Zuwachs indes ist das Plus der Investmentbank mit nicht einmal acht Prozent recht mager. Die Anlagestrategie der BIL ist allerdings weniger auf kurzfristige Aktionen und schnelle Gewinne ausgerichtet, ihre Devise lautet: Abgerechnet wird im Dezember.

Diese Strategie zeigt sich beim Kauf der Hoesch-Aktie, die im Austausch gegen die Anteile am deutschen Energieversorger Bewag zum Stückpreis von 114,70 Mark erstanden wurde. Das Papier des hiesigen Stahlkonzerns ist bei den Analysten der Banken immer noch verpönt – zu Unrecht, wie die Frankfurter meinen. Das Unternehmen setzt in der Stahlproduktion nur noch ein Drittel seines Gesamtabsatzes um, weitaus mehr wird in den Bereichen Weiterverarbeitung und Maschinenbau erwirtschaftet. Die Hoesch-Hütte ist eine der modernsten Europas und arbeitet sehr kostengünstig. Überdies steigen auf dem Welt-Stahlmarkt wieder die Preise. Neben den High-Tech-Aktivitäten der Gesellschaft bringt vor allem ein bislang wenig beachteter Aspekt zusätzliche Chancen für Kurssteigerungen: Hoesch ist in Nordrhein-Westfalen – besonders im Großraum Dortmund – ein bedeutender Immobilienbesitzer. Ein Großteil der Grundstücke ist erschlossen und bietet Industriebetrieben durch Gleisanschlüsse und Lagerhallen die nötige Infrastruktur. Wenn weitere Industrieparks im Ruhrgebiet eröffnet werden, dürften sich dem Unternehmen deshalb attraktive Ertragsquellen erschließen.