Das winzige Gefährt, das da zwischen den Limousinen des Volvo-Händlers Aufmerksamkeit zu erwecken versucht, erinnert an die Kabinenroller der Nachkriegszeit. Nichts für Geschwindigkeitsneurotiker – sie wird das griffig „Ellert“ getaufte Elektro-Mobil arg frustrieren. Wer jedoch umweltfreundlich herumkutschieren möchte, der wird dieses kleine, in Dänemark entwickelte Fahrzeug hochinteressant finden, bietet es doch eine originelle Perspektive für den Individual-Nahverkehr.

Auch anderswo experimentiert man mit Elektro-Mobilen. Die Firma El-Trans im dänischen Randers aber wagte im Sommer 1987 nach mehrjährigen Vorarbeiten den Sprung auf den Markt. Die Reaktionen auf den Winzling waren positiv. Inzwischen haben mehr als 10 000 Dänen Interesse bekundet, eine Resonanz, die selbst die zuversichtlichen Hersteller verblüffte, zumal sie nicht einmal sonderlich die Werbetrommel gerührt hatten. Das Marketing ist eher vorsichtig und schon beinahe masochistisch ehrlich; stellenweise lesen sich die Prospekte so, als wolle man die Kunden verjagen. Doch dahinter steckt Kalkül. Man möchte dem Volk mitnichten ein X für ein U vormachen. „Schreiben Sie nicht, daß der Ellert ein Auto ist“, beschwört mich der Verkaufschef. Dänisches Understatement?

Rund 27 000 dänische Kronen (7100 Mark) kostet das Gefährt, ein Preis, der jedenfalls die von horrenden Autosteuern gebeutelten Dänen („Golf“-Neupreis ca. 33 800 Mark) nicht gleich abschreckt. Dafür gibt’s eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und nach voller Aufladung (zwölf Stunden) eine Reichweite von 50 bis 70 Kilometern. Drei, vier Ladestunden an der Steckdose genügen, um den Batterien zwei Drittel ihrer Kraft zurückzugeben. Geht der „Saft“ zur Neige, leuchtet eine Warnlampe auf.

Die Bedienung ist kinderleicht: Schlüssel drehen, den Vorwärtsgang mit den zwei Automatikuntersetzungen einlegen, aufs Gaspedal treten –, und erstaunlich schnell zeigt der Tacho 40; damit zockelt man bei zufriedenstellendem Fahrkomfort gemächlich weiter. Die Zuladung des 265 Kilogramm leichten Winzlings beträgt 115 Kilogramm; das reicht für einen Erwachsenen plus Waren oder Kind im Heck. Karambolagen können freilich leicht fatale Folgen haben. Für Autobahnen und Schnellstraßen ist der „Ellert“ nicht zugelassen. Sind ständig lange und steile Steigungen zu bewältigen, sollte man ihn vergessen.

Summa summarum: Der Verkaufschef hat nicht untertrieben, die Verwendungsmöglichkeiten des Kleinen sind wirklich begrenzt. Dennoch kann man ihn nicht als bloßes Spielmobil abtun. Der dreirädrige Zwerg kann vor allem bei ungemütlichem Wetter durchaus eine sowohl angenehmere als auch schnellere Fahrt zum Arbeitsplatz bieten als einige seiner Transport-Konkurrenten. Für Besorgungen und Besuche ist er ebenso geeignet wie für den Einsatz bei Firmen und Behörden. Das dürfte ihn eigentlich für nicht wenige Zeitgenossen interessant machen, zumal man mit ihm trotzdem ganz schön vorankommt. Nur lächerliche 15 Minuten mehr als ein Auto – so ein Test der Berlingske Tidende – brauchte er für eine Landstraßenstrecke von 30 Kilometern bei normalem Verkehr. Lob heimste er auch ein im Cityverkehr und bei der Parkplatzjagd – kein Wunder bei 2,73 Meter Länge und 1,06 Meter Breite.

Schon vor 80 Jahren hat man El-Mobile als ideale Stadtwagen empfohlen, weil sie „geräusch- und geruchlos“ seien (Der Autokauf, Berlin 1908). Daß Elektro-Autos die Luft nicht mit Abgasen verpesten, ist eine Binsenweisheit. Lärmgeplagte Städter werden es schätzen, daß der Geräuschpegel des Ellert so niedrig liegt, daß man schon die Ohren spitzen muß, um ihn zu hören. Ja, er ist umweltfreundlich. Zwar werden Skeptiker einwenden, daß sich bei seiner Ausbreitung das Emissionsproblem nur auf die Kraftwerke verlagern wird, aber zweifelsohne ist die Schadstoffkontrolle bei wenigen Kraftwerken leichter in den Griff zu bekommen als bei vielen Autos.

Zu berücksichtigen ist ferner, daß der Stromverbrauch von zirka 4,67 kW pro Vollaufladung – das entspricht ungefähr dem Energieaufwand einer Waschmaschine für ein Normalprogramm – nun wirklich sehr bescheiden ist. Der sich daraus ergebende Kilometerpreis beträgt, am Rande bemerkt, grob gerechnet nur zwei Pfennige. Weiterhin ist zu bedenken, daß der Dänen-Mini, gerade weil er ja nur kurzstreckentauglich ist, besonders umweltschonend ist, denn es dürfte hinreichend bekannt sein, daß Benziner und Diesel aus verbrennungstechnischen Gründen auf Kurzstrecken das Milieu besonders stark belasten, ganz abgesehen davon, daß der Ellert an Ampeln oder im Stau sowieso nur ein Minimum seiner Energie aufwenden muß. Und da seine Aufladung meistens nachts vor sich gehen wird, dürften die Elektrizitätswerke die ohnehin geringfügige Mehrbelastung selbst bei Tausenden von El-Minis kaum nennenswert spüren.