Johannes Rau will im Konflikt um die Schließung des Stahlwerkes Rheinhausen vermitteln

Ein ominöses Telephongespräch erregt das Ruhrgebiet. Da soll der Krupp-Manager Gerhard Cromme dem Thyssen-Manager Heinz Kriwet aus dem Auto heraus – und deshalb angeblich mitgehört – erklärt haben, die SPD-Landesregierung in Düsseldorf sei für eine möglichst schnelle Schließung der Krupp-Hütte im Duisburger Stadtteil Rheinhausen. Obwohl Ministerpräsident Johannes Rau das energisch dementiert, sieht sich die Landesregierung unversehens von den Krupp-Arbeitern angegriffen.

Denn die ahnen wohl, daß Crommes angebliche Äußerung die Interessenlage der Landesregierung durchaus wiedergibt. Das muß ja nicht heißen, daß Rau und andere führende SPD-Politiker die Schließung des Hüttenwerks befürworten. Aber sie wissen genau, daß sie von ihnen nicht zu verhindern ist. Eine Regierung, die in privatwirtschaftliche Entscheidungen eingreifen will, muß ja zumindest den dann entstehenden betriebswirtschaftlichen Schaden ersetzen. Und dazu fehlt ihr schlicht das Geld.

Wenn aber die Landesregierung den Stahlkonzernen nicht in die Zügel fallen kann, dann muß ihr daran gelegen sein, daß die aus Sicht der Unternehmen unerläßlichen Grausamkeiten möglichst schnell begangen werden. Je länger der Stilllegungsbeschluß hinausgezögert wird, desto größer ist die Gefahr, daß der Konflikt eskaliert, daß die Protestmaßnahmen außer Kontrolle geraten.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Schnoor hat bisher bei zeitweiligen Straßensperrungen durch empörte Krupp-Arbeiter nicht eingegriffen und damit vernünftig reagiert. Aber wenn an die Stelle kurzzeitiger Aktionen langanhaltende Blockaden treten sollten, dann kann er wohl nicht länger tatenlos zusehen.

Johannes Rau hat sich jetzt bereit erklärt, zwischen Betriebsrat und Vorstand von Krupp Stahl zu vermitteln. Was er dabei erreichen will, ist allerdings sein Geheimnis. Denn der Verhandlungsspielraum ist längst ausgeschöpft. Die Betriebsräte haben dem Konzept des Vorstands – Schließung von Rheinhausen, Konzentration der Stahlerzeugung von Krupp und Mannesmann im Mannesmann-Werk Huckingen – ihre eigenen Vorschläge entgegengestellt, die den Weiterbetrieb beider Hütten vorsehen. Der Vorstand hat sie verworfen, im Mai soll jetzt der Aufsichtsrat die Stillegung billigen.

Da gibt es nichts mehr zu überbrücken, da muß eine Vermittlung doch scheitern. Deshalb wiederholt der Ministerpräsident einen Fehler, den Politiker so oft machen: Er weckt falsche Hoffnungen. Denn wenn ein leibhaftiger Landesvater in die festgefahrenen Verhandlungen eingreift, dann muß das für einen Krupp-Arbeiter doch ein Zeichen dafür sein, daß noch nicht alles verloren ist.