„Slam Dance“ von Wayne Wang

Urs Widmer hat vor vielen Jahren mal gesagt, ohne den Western hätte der Buntfilm gar nicht erfunden werden müssen. Ich habe ihm neulich mal gesagt, daß er vor vielen Jahren sowas Kluges gesagt hat, und da war er dann ganz froh, daß er vor vielen Jahres bereits so etwas Kluges gesagt hat. Wenn ich als Kind heimlich in „Untergang der Titanic“ und „Pony Express“ gewesen war, habe ich zu Hause nur die „Titanic“ gebeichtet, denn die war in Schwarzweiß und deshalb bildend. Picasso zum Beispiel war abstrakt und Kunst und deshalb sozusagen schwarzweiß und legal, während Elvis bunt und verboten war.

Was das alles mit „Slam Dance“ von Wayne Wang zu tun hat? Ich weiß es beim besten Willen nicht. Aber man sitzt so da und guckt sich den Film an und die hektischen Rückblenden, und dazu erklingt die dumpfe Yuppie-Musik, und plötzlich wird einem klar, daß man den Film schon mal gesehen hat, und zwar nicht nur einmal und tatsächlich, sondern etwa 400mal als „Tatort“-Krimi. „War inzwischen was?“ fragt man, vom Lokus zurückkommend. „Nö, nur ’n paar Rückblenden, und er ist viermal vermöbelt worden.“ Und nun stelle man sich diesen Film auch noch in Schwarzweiß vor statt in Farbe: Nichts, Alter, nichts; nichts, nichts.

Ein Film, den man immer wieder sehen kann. Ohne es zu merken. Harry Rowohlt

„Helsinki-Napoli – all night long“ von Mika Kaurismäki

Ein finnischer Taxifahrer, der mit einer Italienerin verheiratet ist, kämpft gegen einen amerikanischen und einen deutschen Gangsterboß um das Geld, das ihm zwei erschossene französische Gangster hinterlassen haben – in Berlin, in einem deutschen Film, den ein finnischer Regisseur mit deutschem, finnischem, schweizerischem und italienischem Geld gedreht hat. Amateure aller Länder, vereinigt euch.

„Helsinki-Napoli“ ist ein Film, der es gut meint: vor allem mit der Presse. „Wenders in Berlin vor der Kamera“, „Auch Prostituierte spielen bei den Dreharbeiten mit“, „Aus der Schweiz kommen Stunts“: viel mehr gibt es bei Kaurismäki gar nicht zu sehen. Und so geht der Film aus: „Platsch! Der giftig-grüne Ford-Granada-Kombi stürzt ins Wasser.“ Platsch und Schluß.