Nach wie vor enthalten die Kataloge der Reiseveranstalter auch Angebote für Sextourismus. Ein Thema, das jetzt den Bundestag beschäftigt.

Trotz Aids blüht das Geschäftmit der käuflichen Liebe. Und bundesdeutsche Reiseveranstalter verdienen daran mit. Kaum ein größeres Touristikunternehmen, das nicht entsprechende Angebote im Programm hat – mit deutlichen Hinweisen. Ob bei Hotels im thailändischen Pattaya oder in Kenia, Ferienanbieter wie TUI, Neckermann oder Jet-Reisen preisen die „freizügige Atmosphäre“ ihrer Häuser am Ort. Ein Dienst am Kunden, wie man in der Branche meint. Erika Amann von den Münchner Jahn Reisen: „Das halte ich für Information.“

Die Frauen aller Bundestagsfraktionen sind anderer Ansicht. Die offenherzigen Katalogbeschreibungen haben sie auf den Plan gerufen. Am Mittwoch dieser Woche haben sie eine Große Anfrage im Deutschen Bundestag eingebracht, in der es heißt: „Auf welche Weise hat die Bundesregierung in Verhandlungen mit Reiseunternehmen versucht, eine freiwillige Werbebeschränkung für Sextourismus-Reisen zu erreichen?“

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren überhaupt nicht versucht, die Touristikunternehmen zu einem Angebotsverzicht für Ferien dieser Art zu bewegen. Legislative Maßnahmen, wie seit langem gefordert und jetzt von der SPD-Bundestagsfraktion mittels eines eigenen Gesetzentwurfs angestrebt, sind erst recht nicht ergriffen worden – obwohl Veranstalter, die Sextourismus-Reisen anbieten, sich wegen Förderung der Prostitution strafbar machen. Den Sextourismus hatte die Bundesregierung 1985 zwar negativ bewertet, gleichzeitig aber als ein „nicht sonderlich ernst zu nehmendes Problem einer unbedeutenden Randgruppe“ hingestellt.

Die Politiker waren sich damals einig mit zumindest einem Teil der Reiseveranstalter. Hubert Geppert von der TUI: „Von den 2,6 Millionen Urlaubern, die 1987 bei uns weltweit eine Reise gebucht haben, flogen knapp 5000 nach Thailand, davon der größte Teil Ehepaare oder Personen mit Kindern. Schon deshalb ist das Potential für Sexabenteuer minimal.“ Ein israelischer Sozialwissenschaftler habe im übrigen festgestellt, daß beispielsweise in Siam nur fünf bis zehn Prozent aller Prostituierten von Geschäften mit den Fremden lebten.

Der Geschäftsführer der Ecumenical Coalition on Third World Tourism in Bangkok, Koson Srisang, beurteilt die Lage jedoch anders. Aids-Ängste ließen gerade die Nachfrage nach jüngeren Mädchen und Kindern steigen.

Die westdeutschen Reiseveranstalter läßt das offenbar kalt. Prostitution, so TUI-Sprecher Geppert, gebe es in allen Hotels der Welt, auch in der Bundesrepublik. Nur werde sie hier nicht so offen betrieben. Und Rolf Pagnia von Neckermann ergänzt: „Wir verkaufen Urlaub. Was der einzelne aus seinem Urlaub macht, können wir nicht überprüfen.“ Hans J. Geppert