Von Cora Stephan

Das wohlausgewogene Urteil, zu dem ich mich gerne durchgerungen hätte, ist mir im Laufe der Beschäftigung mit Alice Schwarzers Porno-Kampagne im Hals steckengeblieben. Denn der Diskurs hinter dem Diskurs hat wenig, um nicht zu sagen gar nichts mit Pornographie zu tun. Es handelt von einer Sexualpolitik, die in vieler Hinsicht fatal ist.

Das Buch der Amerikanerin Andrea Dworkin, auf das sich Schwarzers Kampagne verkaufsförderlich bezieht, ist, worüber die Lektüre einiger weniger Seiten bereits nachdrücklich belehren sollte, keineswegs eine „Analyse der Funktion von Pornographie“ (Vorwort von Alice Schwarzer), und der Feminismus müßte hierzulande völlig heruntergekommen sein, wäre seine Autorin wirklich eine „der bedeutendsten Theoretikerinnen des neuen Feminismus“ (ebenda).

Man mag es dem Spiegel-Kulturchef Karasek, sicherlich kein Connaisseur feministischen Gedankenguts, noch verzeihen, daß er sich ausgerechnet bei Frau Dworkin über Pornographie belehren lassen muß. Den niveauvollen, realexistierenden Theoretikerinnen des Feminismus hierzulande aber wäre ein gequältes Stöhnen nicht zu verdenken.

Silvia Bovenschen (in der FAZ) und Gertrud Koch (in der Frankfurter Rundschau) wenigstens haben sich gegen die Verluderung dessen, was Theorie und was Feminismus genannt werden kann, zur Wehr gesetzt: Die erstere attestiert Andrea Dworkin ein „monochromes Geschichtsbild“, die zweite rubriziert deren Buch unter „paranoische Phantasie“.

Zutreffenderweise: das Buch reiht essentialistische Sätze aneinander, die weder mit einer Analyse von Pornographie zu tun haben noch mit der theoretischen Abhandlung patriarchaler Strukturen, sondern plattesten und nachgerade spiegelbildlich pornographischen Männerhaß kundtun: Der Mann sei ein „Parasit“, schreibt die gelehrte Autorin, „Terror strahlt aus vom Mann, Terror erleuchtet sein Wesen, Terror ist sein Lebenszweck“, „der Charakter des Mannes: Er ist gefährlich“, „Männer sind gefährlich, Männer werden gefürchtet“, „der Penis verursacht Schmerz“, „ficken ist also automatisch sadistisch“ – undsoweiter undsofern.

Kein Wunder, daß dieses Buch der Emma-Chefin in den Kram paßt, die selbst Aids noch dazu funktionalisiert, ihre uralte Botschaft zu verkünden, daß das, was sie „Penetration“ nennt, nur für Männer, keinesfalls aber für Frauen ein Vergnügen sei und insofern besser zu unterbleiben habe. Der unermüdliche Kampf gegen das, was Heterosexualität von lesbischer Liebe unterscheidet, ist der Diskurs hinter dem Diskurs über Pornographie.