Streit in der Ostberliner Kirche? So, als hätte sie etwa nicht genug an ihren täglichen Konflikten mit dem Staat? Was letztes Wochenende als Kontroverse zwischen Bischof Forck und Generalsuperintendent Krusche vermeldet wurde, war eine für die Kirche notwendige und normale Debatte um ihren „besten Weg“ auf schwierigem Gelände. Weder redete der Bischof einer anpasserischen Kirche das Wort, noch plädierte der „General“ dafür, vor kritischen Geistern die Kirchentore zu verschließen. Beide wollen sie eine „dienende Kirche“ – und das heißt gerade in der DDR: Kirche für alle Mühseligen und Beladenen.

Der Staat jedenfalls braucht sich bei diesem Diskurs nicht als der lachende Dritte zu fühlen, im Gegenteil. Auch die Beschlüsse der Berlin-Brandenburgischen Synode lassen keinen Zweifel, wer für die Ausreiseproblematik die Hauptverantwortung trägt: der SED-Staat, der viele seiner Bürger, die ihn verlassen wollen, ins Ungewisse stößt und zu Staatsfeinden stempelt.

Nicht die Kirche ist schwach, die darum ringt, wie sie diesen Menschen am wirkungsvollsten helfen kann. Bedrohliche Schwächen zeigt jener Staat, der sie in solche Nöte bringt. Er kann von Glück sagen, daß ihm die Kirche notgedrungen zur Hilfe kommt. Dabei gerät sie selber an einen Kreuzweg: Sie darf nicht zur bloßen Durchgangsstation für Auswanderer werden. D. St.