In diesem Frühjahr putzt sich plötzlich die SNCM, die Gesellschaft der französischen Korsika– und Mittelmeerkreuzfähren heraus. Sorge um die Zukunft?

Von den Plakaten leuchtet „Bienvenue en Ferryterranee“ – ein nagelneues Lockwort aus Ferry und Mediterraneé. Azurblau wird der kokette Name dem trockenen Firmenkürzel angehängt und verheißt das „Vergnügen der Überfahrt“.

Wer schon öfter mit der durch ein Transportmonopol begünstigten SNCM das Wasser überquert hat, nicht nur in Ferieneuphorie, die manches übersehen läßt, reibt sich die Augen. Vergnügen?

Tagsüber und im Sommer ist alles nicht so schlimm. Da windet man sich die schon für zwei Gepäckstücke viel zu schmale Treppe hoch und sitzt irgendwann dann auf Deck. Nachts aber wird, wer einen Liegeplatz bezahlt hat, in Kabinen verfrachtet: immer vier Personen, so wie sie der Computer gebucht hat, gleich, ob männlich oder weiblich. Also etwa Mutter und Tochter zusammen mit einem fremden Ehepaar in einer, Vater und Sohn in der nächsten Kabine mit zwei kleinen Mädchen, deren Eltern und Geschwister wiederum im dritten Abteil eingecheckt wurden. Das große Tauschen beginnt.

Abzuschließen sind die Kabinen nicht. Sichtschutz hinter der Glastür bietet ein Vorhang. Der Platz fürs Gepäck ist minimal. Ein Teil der Toiletten und Waschbecken im Gang ist fast immer außer Betrieb.

Das Essen ist Rufmord an Frankreichs Küche. Teuer ist das laue Mahl obendrein. Doch neben den Kassen am Ende der Selbstbedienungsschiene warten Untertassen auf Trinkgeld. Es gibt Werkskantinen, die gemütlicher sind. Routiniers kaufen sich daher am Hafen belegte Brote.

Die Bars sind auch nicht viel besser. Und sie schließen zeitig. Also kriecht man möglichst früh zu den Mitschläfern. Denn oft schon ab fünf Uhr morgens, um sieben oder acht Uhr wird angelegt, ist im Gang Betrieb. Und das nicht leise. Die Stewards bereiten den Bettzeugwechsel vor, auch wenn das Schiff erst abends wieder losfährt.