Unionsabgeordnete wollen Strom aus Wind und Wasserkraft fördern

Von Wolfgang Hoffmann

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Erich Maaß aus Wilhelmshafen ist im windreichen Norden der Republik zu Hause und möchte dieses Energiepotential um jeden Preis nutzen, auch um den neuer Subventionen aus dem Staatsetat. Seit mehr als einem halben Jahr bemüht sich Erich Maaß mit einer Gruppe Gleichgesinnter um Markteinführungshilfen für Strom aus Wasser und Wind.

Ganz anders Ludwig Gerstein, CDU-Bundestagsabgeordneter aus Dortmund, im Windschatten der krisengeschüttelten Kohleregion an Rhein und Ruhr daheim. Mit einer besonderen Förderung erneuerbarer Energiequellen hat Ordnungspolitiker Gerstein nichts im Sinn. Zwar ist auch er nicht abgeneigt, sich um Wasser und Wind zu kümmern, zugleich warnt er aber: "Wir dürfen nicht die falsche Hoffnung wecken, als hätten wir mit den erneuerbaren Energien den Stein der Weisen entdeckt."

Das freilich glaubt auch Erich Maaß nicht. Allerdings meint er, nachdem der Staat nun schon viel Geld in die Forschung und Entwicklung erneuerbarer Energien investiert habe, müsse gezielt etwas getan werden, damit die Ergebnisse in die Praxis umgesetzt werden. Erich Maaß: "Forschung und Entwicklung sind nur dann sinnvoll zu begründen, wenn die Markteinführung bereits erforschter Techniken in größtmöglichem Umfang realisiert wird, und zwar mit Taten, nicht mit Worten. Es macht doch keinen Sinn, mit Steuergeldern Technologien auf Halde zu forschen."

Weder Maaß noch andere Abgeordnete seiner Gruppe wollen mit ihrer Energieinitiative, die auch unter dem Motto "Laßt tausend Windräder drehen" stehen könnte, die Illusion wecken, als könne man mit Hilfe der erneuerbaren Energieressourcen die Kernenergie ersetzen. Maaß: "Wir wollen aber die additive Nutzung dieser Energiequellen." Außerdem gibt der Abgeordnete, der nicht nur die Unterstützung der CDU-Landesgruppen aus dem Norden Deutschlands hat, sondern mittlerweile auch Sympathisanten im Süden, zu bedenken, die CDU/CSU könne die Kernenergie nur dann glaubhaft vertreten, wenn sie zugleich dafür eintrete, die regenerative Energie zu nutzen. Das aber sei – zumal in Zeiten niedriger Ölpreise – in Konkurrenz mit der herkömmlichen Stromerzeugung nur dann möglich, "wenn die erneuerbaren Energien eine faire Chance bekommen".

Unter den gegenwärtigen Bedingungen des Energiemarktes haben sie die aber nicht. Im Gegenteil. Selbst eine der billigsten und am längsten bekannten Energieressourcen, die Wasserkraft, wird bis heute nur unvollkommen genutzt. Das gleiche gilt für die Windkraft. Matthias Engelsberger, CSU-Abgeordneter aus dem Raum Traunstein, Betreiber eines mittelständischen Wasserkraftwerks und Mitbegründer der Unionsinitiative von Maaß und Kollegen, rechnet vor, daß das bisher nicht genutzte Wasserkraft-Potential ausreicht, die gegenwärtige Stromkapazität aus der Wasserkraft (etwa 4,7 Prozent der gesamten Stromerzeugung in der Bundesrepublik) um fünfzig Prozent zu erhöhen. Der so gewonnene Strom entspricht immerhin fast der doppelten Jahresmenge eines Kernkraftwerks vom Typ Biblis. Matthias Engeisberger: "Etwa 6000 Wasserrechte liegen brach."