Gebückt hebt er hoch, worauf er gesessen hat, so was Knolliges, rollt das aus, steigt mit einem Bein hinein, sein anderes kommt gerade noch nach, jetzt sitzt er wieder, ein Ruck, und er liegt lang; man sieht nur seine Haare. Er steckt in einem Schlafsack. Die Pappe mit dem Gekritzel „Wohnungslos – arbeitslos, bitte um Spende“ hat er vergessen, seine linke Hand kommt, und fegt sie mit rein. Er bleibt aber nicht auf dem Rücken liegen, wälzt sich nach rechts, ganz dicht vor die Mauer, neben einen Laden. Der Mauervorsprung ist so breit wie der Schlafsack. Es ist Sonntag, gegen Abend. Und wem dreht er seinen Hintern zu? Dem Jungfernstieg in Hamburg 36.

Träumt er da drin, oder reckt er sich? Muß wohl erst richtig Fuß fassen in dem Schlafsack. Schon drückt er die Beine durch, läßt seine Arme unten, und der Schlafsack kommt auf seine Kosten; alle Ecken sind ausgefüllt. Bleibt doch jemand stehen und sagt: „Hier kostet jeder Quadratmeter Ladenfläche ein Vermögen an Miete, und der macht sich da breit.“ Für seine Verhältnisse hat der Mann alles dazu gesagt. Und eine Frau meint, daß ihr Sohn einen Schlafsack hat, der wohnlicher aussieht. Hinter meinem Rücken bleiben noch andere stehen. Ich kriege ihr Kopfschütteln mit.

Denken die vielleicht, ich hätte mit dem im Schlafsack irgendetwas zu tun, will ihn abschirmen, mich sogar stark machen? Ich könnte ihnen ja sagen, daß der da unten eben so ziemlich alles tut, wo er geht und steht, und sich deshalb eben auch gleich mal hinlegt, egal wo. Und wer die „Bettelnummer“ bringt und den Laden abends satt hat und nicht im Sitzen pennt und sogar noch einen Schlafsack als Unterlage benutzt und dann hineinkriecht, der hält im gewissen Sinn doch irgendwas auf sich, oder? Und Polizisten werden den gefüllten Schlafsack höchstens oben aufklappen und hören, daß der da noch Luft durchzieht, und sich sagen, daß er immerhin in einem Schlafsack ist.

Ich hatte lange genug da gestanden und ging dann auf und ab, machte immer größere Strecken und dachte, die Polizei wird schon dagewesen sein. Als ich zurückkam, war der Mann im Schlafsack unterwegs, hielt ihn mit seinen Ellenbogen fest und watschelte in den hell erleuchteten Schaufenstervorplatz eines Schuhgeschäftes mit einem Schaukasten mittendrin. Und dort legte er sich hin, dicht an der Säule unter der vorspringenden Auslage. Durch die beleuchteten Fenster hatte er es wärmer, und vom Jungfernstieg aus sah man ihn nicht.