Von Roland Kirbach

Düsseldorf, im April

Der Angeklagte schreibt und schreibt. Unablässig macht er sich Notizen, während Verteidiger Eckart Hild sein Plädoyer vorträgt. Es sind Notizen für das Schlußwort; und weil er gar nicht mehr aufhören will zu schreiben, sorgt sich der Mitverteidiger Ludwig Höller, der Angeklagte werde mit einem allzu umfänglichen Schlußwort das kunstvoll gedrechselte Gebäude der Verteidigung wieder einreißen.

Doch der faßt sich dann recht kurz. Abbas Hamadi, der Libanese mit der deutschen Staatsangehörigkeit, der fast das gesamte Verfahren über – von seiner Verhaftung vor fünfzehn Monaten bis zur Hauptverhandlung – zu den Tatvorwürfen beharrlich geschwiegen hat, ergreift das Wort. Es mutet doch etwas ungewohnt an, daß dieser Schweiger, der allenfalls einmal Grimassen schnitt, nun redet – mit unüberhörbar saarländischem Einschlag und einer dünnen Fistelstimme, die gar nicht zu seinem dunklen, südländischen Erscheinungsbild passen will.

Hamadi formuliert knapp, spricht etwas hektisch. Vorwürfe richtet er an das Bundeskriminalamt, das ihn weder bei seiner Verhaftung noch irgendwann später auf seine Rechte hingewiesen habe. Nach der Beweisaufnahme und dem Plädoyer der Bundesanwaltschaft, so fährt er fort, könne er dieses Verfahren nur als "ein System von Rechtsbrüchen" bezeichnen. Und er wiederholt, was er im Verlauf der Hauptverhandlung schon mehrmals schriftlich oder durch seine Verteidiger erklärt hat: "Ich habe keinen Anteil an der Entführung der Herren Cordes und Schmidt." Mehr hat er nicht zu sagen.

Erleichtert lehnen sich die Verteidiger in ihren Stühlen zurück; der Angeklagte hat ihnen ihr Gebäude nicht zerstört. Sie wissen selbst nicht viel über ihren Mandanten, können ihn nie so richtig einschätzen. Er sei schon ein bißchen schwierig, sagt der Saarlouiser Anwalt Höller in einer Verhandlungspause einmal. Er kennt Abbas Hamadi bereits länger; bei kleineren Auseinandersetzungen, etwa mit der Ausländerbehörde, hat er den 29jährigen früher schön vertreten.

Hier allerdings, im Verfahren vor dem 5. Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts, kommt dem Anwalt aus der Provinz nur eine Nebenrolle zu. Den Hauptpart hat der Frankfurter Eckart Hild übernommen. Er vertritt den Angeklagten bei den beiden gravierenden Tatvorwürfen: Entführung von Rudolf Cordes und Alfred Schmidt sowie Nötigung der Bundesregierung.