Sieh wohl zu, was du nimmst! Es steht

Oft Gift im schönsten Gartenbeet.

Zu Eitelbrunn bey Regensburg riß ein Bauer mit seiner Frau Unkraut aus seinem Acker, worunter auch Gleiße war. Seine zwey Knaben waren dabey, nahmen die Wurzeln, die sie für Petersilgenwurzeln hielten und aßen davon. Der eine, der 6 Jahre alt war, fieng nun gleich an, über Magen weh zu schreyen, schwoll auf, wurde über den ganzen Leib schwarzblau, sein Athem gieng immer schwerer, und um Mitternacht starb er. Der andere von 4 Jahren hatte weniger davon gegessen, und brach sie wieder weg. Aber er wurde doch irre im Kopf, und sähe überall Hunde und Katzen, bis sein Vater einen klugen Arzt von Regensburg holte, der den Knaben wieder gesund machte. Diese Gleiße, welche auch Gleißkraut,Peterpiel, kleiner Schierling, Gneiß, Hundspetersilge, Glanzpeterlein, Krötenpeterlein, Katzenpeterlein, Stinkpeterlein, tolle Petersilge, faule Grete (aethus cynapium L.) genennt wird, mischt sich oft unter den Körbel und die Petersilge. Sie hat aber unter den Blumenschirmen auf der einen Seite drey lange spitzige herunterhängende Blättchen, und die Blätter glänzen stark an der untern Seite, daran kann man sie von der Petersilge, dem Körbelkraut, Dill, Fenchel und Möhrenkraut unterscheiden. Auch darf man nur etwas davon zwischen den Fingern reiben, so stinkt es.

Ebenso gefährlich ist auch der große Schierling, welcher auch Blutschierling, Wuthschierling, Tollkörbel, Tollkraut und Hundspetersilge (conium maculatum L.) genannt wird. Dessen Blätter sind oben glänzend schwarzgrün und feiner gezackt, als die Petersilge. Der Stengel wird 3 Fuß hoch und hat blutrothe Flecken. Die Blumen haben rothe Punkte. Die Wurzel ist dick und riecht nach Pastinaken. Man hat Exempel, daß ganze Haushaltungen ums Leben gekommen sind, welche im Frühjahr grünen Kräuterkohl gegessen und aus Versehen solchen Schierling darunter genommen haben.

Zwey Geistliche hatten die Wurzel, an Fleisch gekocht, gegessen. Wie nun das Gift wirkte, bildete sich der eine in der Wuth ein, er sey eine Gans und stürzte sich in den nächsten Teich. Der andere riß alle Kleider vom Leibe, und suchte sich auch im Wasser von der inwendigen Hitze abzukühlen. Man holte sie wieder heraus, und brauchte die besten Mittel. Sie blieben aber alle beyde gelähmt und starben nach zwey Jahren.

Wer nun solch gefährliches Unkraut in einem Garten sieht, muß es gleich ausreissen, und wer Petersilge zum Gemüse putzt, muß sie sorgfältig ansehen und beriechen, ob es rechte Petersilge sei? damit kein Unglück dadurch geschehe.

Fremde Gewächse, Blumen und Früchte in den Lustgärten großer Herren muß man weder kosten noch beriechen. Es giebt unter denselben viele, die der Gesundheit schädlich sind. So ist z.E. der Kirschlorbeerbaum, so giftig, daß etliche Tropfen von dem daraus gezogenen Oehl ein Thier tödten. Auch ist es überhaupt nicht gut, an Blumen, welche einen starken Geruch haben, auch sogar an Rosen und Mayblumen, viel und stark zu riechen: noch weniger dergleichen in Kammern und Stuben zu haben, wo man schläft oder wo wenig frische Luft hineinkommt. Die starken Dünste, welche aus solchen Blumen aufsteigen, erregen vielen Leuten heftiges Kopfweh, auch zuweilen Schlagflüsse und andere Zufälle.