Ach, wenn schon die Hebbel-Gesellschaft selber kein Zutrauen zu ihrem Namensgeber hat... Der "Vorsitzende des Vorstandes" der Friedrich-Hebbel-Stiftung ruft im Begleitbuch zur großen Hebbel-Ausstellung im Kieler Schloß (bis 1. Mai) Hebbel zum "größten deutschen Dramatiker des 19. Jahrhunderts" aus – als hätte Büchner nicht gelebt. Dann folgt, brav im Stil des 19. Jahrhunderts, ein Satz, der einem die Lust, Hebbel kennenzulernen,-fast rauben kann: "Im Jahre 1988, das der Kultusminister des Landes Schleswig-Holstein nicht zuletzt seinetwegen (!) zum Literaturjahr ausgerufen hat, denkt man nicht nur in Schleswig-Holstein an den 175. Geburtstag und den 125. Todestag des Dithmarscher Maurersohns, der unbeirrt seinen Weg ging, bis er den Parnaß erreichte."

So gehen die deutschen Hebbelianer, unbeirrt, ihren Weg der falschen Helden-Verehrung, bis sie die Schattenwelt auch noch der falschen Grammatik erreichen.

Die Ausstellung ist mit Möbeln, Hausrat, Dokumenten, Photos, mit Vitrinen und Stellwänden ansprechend aufgebaut, aber doch nicht so liebevoll, als daß der Regisseur Nolte in Noelte, ein Mädchen in Märchen und gar Hebbels Frau, Christine Enghausen, in die richtige Form Enghaus verbessert worden wären.

Auch in Barbara Wellhausens schöner Bildbiographie (Verlag Boysen, Heide; 39,80 DM) viele Druckfehler, Ungereimtheiten. So waltet – wie in der Schau – ein Biedersinn, der nicht erklären kann, weshalb Mörike für seinen Zeitgenossen (und dessen "Nibelungen") das schöne Bild fand – "als ob plötzlich ein Felsblock durch’s Dach gefallen sey. Dort ist der Sopha, dort lag ich, dort empfand ich die Schauer, die allein das Große hervorruft, das zugleich schön ist".

Rolf Michaelis