Hochschulsterben, Fakultätenschließung, Wissenschaftselend? Ach, nicht doch. Nicht in Vechta, dem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum des Oldenburger Münsterlandes. Dort soll die ländliche Dependance der Universität Osnabrück wachsen. Zunächst 17 Millionen will Niedersachsen investieren, um die Agrarwissenschaften auszubauen, sozialwissenschaftliche Studiengänge einzurichten und die Lehrerausbildung zu konsolidieren. Vor allem letzteres im Einklang mit der katholischen Kirche, denn der Heilige Stuhl hat sich in Vechta per Konkordat die Ausbildung von Religionslehrern für die Region gesichert.

Vechta also soll wachsen, und dies, obwohl Niedersachsens Universitäten sparen müssen: 23,5 Millionen in diesem, 26,5 Millionen im nächsten und 31 Millionen in jedem weiteren Jahr; obwohl 470 Planstellen aus dem Wissenschaftsbetrieb „herausoperiert“ werden sollen.

Und warum Vechta? Es spricht gar nichts dafür. Der Wissenschaftsrat fand, es lohne überhaupt nicht. Nicht einmal Bedarf sei da – im Gegenteil: niemand will nach Vechta. Von 1976 bis 1986 sank die Zahl der Studenten von 1127 auf 679, mit weiter fallender Tendenz. Auch Abiturienten aus Vechta gehen lieber, wer wollte es verdenken, nach Münster, Hannover oder Osnabrück.

Wenn man schon konzentrieren müsse im westlichen Niedersachsen, fand der Wissenschaftsrat, dann doch besser in Osnabrück oder – was die Lehrerausbildung angeht – in Oldenburg, da dort das Angebot jetzt schon differenziert sei. Erst recht nicht sinnvoll, sondern ärmlich wäre es, in den Sozial- oder Geisteswissenschaften mit Münster oder Osnabrück zu konkurrieren oder völlig neue Institute (an Agrar- und Wirtschaftswissenschaften wird gedacht) zu etablieren. Auf Dauer nicht lebensfähig, sprach der Wissenschaftsrat und empfahl Verhandlungen mit der katholischen Kirche über die Schließung der Abteilung Vechta. Statt dessen soll dort nun also „quirliges Forschungsleben“ neu entstehen, und auch noch dies: mehr Autonomie gegenüber der Mutteruniversität Osnabrück. So jedenfalls hat es der Minister für Wissenschaft und Kunst, Johannes-Tönjes Cassens, vor.

Warum nur? Ist es allein die Kirche? Ist es die neue Tendenz, Mißliebiges nicht zu bekämpfen, sondern durch stille Parallelgründung auszuzehren? Liegt es einfach nur daran, daß die Koalition in Hannover nur eine Stimme Mehrheit hat und just aus Vechta eine davon kommt? Und warum sitzt in der Hochschulstrukturkommission, die Ministerpräsident Albrecht gerade berufen hat, kein Vertreter der Universitäten Oldenburg und Osnabrück? War da nicht mal was mit Carl von Ossietzky? So viele Fragen. Und die alte Weisheit: Wer schlechte Argumente hat, der macht es mit Struktur – statt mit Politik. Gff.