Mit ungebrochen wachsendem Flugverkehr nehmen auch dessen Schattenseiten zu. Verspätete oder stornierte Flüge werden zum Dauerproblem, immer mehr Passagiere verbringen mehr Zeit auf den US-Flughäfen. Wenn sich langes Warten schon nicht vermeiden läßt, soll es wenigstens produktiver und angenehmer werden. Business Centers auf Flughäfen bieten neuerdings nützliche Dienstleistungen an.

Die zunehmenden Klagen verärgerter Passagiere haben eben nicht nur Verbraucheranwälte und Behörden auf den Plan gerufen, sondern auch Geschäftsleute auf neue Ideen gebracht. Verstärkt werden daher sogenannte „Business Service Centers“ mit Sekretärin, Telephon und Telefax eingesetzt. Zum Teil kombinieren sie auch Arbeit mit Freizeitaktivitäten; während die Sekretärin einen Brief oder Vertrag tippt, kann man an einer Fitneßmaschine üben oder sich die gestreßten Glieder massieren lassen.

Auf recht verschiedene Variationen muß sich der Fluggast einstellen. Was unter dem Begriff „Business Service Center“ angeboten wird, ist nicht festgeschrieben. Mal ist es mehr, mal weniger, je nach den Bedingungen und Möglichkeiten des betreffenden Flughafens und der Konzeption der Betreiber.

Die Flughäfen engagieren sich nicht selbst, sondern treten nur als Vermieter auf, wenngleich ihnen die zunehmende Investitionsbereitschaft privater Geschäftsleute oder Firmen auf ihrem Gelände recht gut zupasse kommt. „Der Trend nimmt zu“, meint Andrew Sobel vom „Airport Operators Council International“, der alle drei Jahre eine Erhebung über die technischen Einrichtungen der Flughäfen sowie über die vorhandenen Restaurants, Geschäfte und Dienstleistungen durchführt.

Das ausgedruckte Resultat hat inzwischen bereits das Format eines stattlichen Paperback-Kompendiums erreicht. Bei einer Zunahme der US-Passagierzahlen von 270 Millionen auf 400 Millionen innerhalb von neun Jahren, und das mit anhaltender Tendenz nach oben, ist da noch mehr zu erwarten. Doch so schnell, wie es den Interessenten lieb wäre, geht es nicht. Die Business Centeil müssen sich bürokratischen Ausschreibungs-Prozessen unterziehen, die vielerorts noch nicht einmal eingeleitet wurden, weil kein Platz vorhanden ist oder das Flughafenmanagement ein entsprechendes Interesse unter den Passagieren noch nicht ausmachen konnte.

Am erfolgreichsten und daher auch Marktführer ist Mutual of Omaha Insurance Company, eine Versicherungsgesellschaft, die in größerem Umfang auch Reiseversicherungen verkauft, und zwar als einziges Unternehmen direkt auf den Flughäfen. Über ihre Tochter Tele-Trip Company betreibt sie mittlerweile 18 Zentren in 13 Flughäfen, im Mai dieses Jahres soll ein weiteres in San Francisco eröffnet werden. Andere, aber zahlenmäßig bescheidener und lediglich lokal oder regional antretende Konkurrenten sind die Pacific Northwest Bell Telephone Company und Business Services Network.

Bei der Mutual of Omaha findet man in der Regel kleine Telephon-Suiten, in denen man ungestört telephonieren und arbeiten kann, ferner Telex, Telefax, eine Sekretärin, die Hilfe eines Notars, Photokopierer und – so es der Platz erlaubt – einen kleinen Konferenzraum für sechs bis acht Personen. Außerdem kann man Gepäck und Garderobe einchecken, Geld wechseln, Bargeld per Kreditkarte bekommen und sich das Ticket vom Reisebüro dorthin schicken lassen, statt es im Stadtbüro abzuholen. Reicht die Zeit nicht, einen Brief oder ein. umfangreiches Schriftstück gleich abzufassen, kann die Vorlage, sofern der Passagier einen anderen Flughafen mit Omaha-Center anfliegt, per Telefax dorthin gesandt und bei der Ankunft perfekt geschrieben in Empfang genommen werden. „Das sind die Vorteile, wenn man ein Netz hat“, meint Omaha-Pressesprecher Joel Biobaum, und darin ist man den Konkurrenten weit überlegen.