Die Bundesbahn bremst die schnelle Magnetbahn

Von Heinz Blüthmann

Irgend etwas stimmt nicht: Die üppigen Erste-Klasse-Sessel sehen zwar genau wie bei der Lufthansa aus, aber keine Düse heult auf. Vorn an der Kabinenwand hängt nach dem Vorbild des Überschallflugzeugs Concorde eine digitale Geschwindigkeitsanzeige – und die meldet gerade 320 Kilometer pro Stunde. Doch nichts schüttelt und rappelt oder stört sonstwie die Ruhe in der Kabine. Draußen fliegen platte Wiesen vorbei, und jemand scherzt: „Wann hebt das Ding denn nun endlich ab?“

Das schnelle Ding heißt Transrapid 06 – ein Zug, und doch kein Zug, denn Schienen und Räder braucht er nicht. Er fliegt auf Höhe Null.

An diesem frischen, sonnigen Vormittag im Emsland kann Transrapid freilich nicht alles zeigen, was in ihm steckt, denn die Südschleife der 31,5 Kilometer langen Teststrecke zwischen den Dörfern Lathen und Dörpen ist für Fahrten mit Besuchern an Bord noch nicht freigegeben. Im Januar schaffte Transrapid – ohne Besucher, aber mit Technikern bemannt – unter Ausnutzung der gesamten Strecke das Rekordtempo von 412,6 Kilometern pro Stunde. Keine andere Bahn der Welt fährt so schnell.

Abschied vom Rad

Demnächst wollen die Transrapid-Ingenieure sogar noch einen Zahn zulegen und Tempo 500 und mehr erreichen. Selbst dann soll der modernste aller Züge so erschütterungsfrei dahingleiten, daß Passagiere – wie normalerweise im Flugzeug in Reiseflughöhe – auch im Stehen ohne Probleme eine Telephonnummer in ihr Notizbuch schreiben und wieder lesen können. In herkömmlichen Eisenbahnzügen geht das bereits bei einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern in der Stunde kaum noch.