Von Fritz Vorholz

Frohe Botschaft von den Propheten des Weltuntergangs – ausgerechnet für die Verkäufer von Erdgas. Dieser Rohstoff ist ausreichend vorhanden, und seine Verbrennung wirkt sich aufs Weltklima nicht so verheerend aus wie die von Kohle oder Erdöl. Deshalb kann mit Erdgas die Frist für den notwendigen Übergang zur nichtfossilen Ära der Energieversorgung verlängert werden.

Der neueste Bericht an den Club of Rome liefert den Verkaufsförderern der Ruhrgas die Argumente frei Haus. Das ist aber nur eine Marginalie. Im Kern geht es immer noch um die großen Herausforderungen der Welt: um Bevölkerungswachstum und Nahrungsmittelknappheit, um Umweltzerstörung und Arbeitslosigkeit, um Rüstungsmilliarden und Armut in der Dritten Welt – es geht um die "Weltproblematik".

Die Gefahren des Kohlendioxids für das Klima kannten die Wissenschaftler schon vor sechzehn Jahren. Aber man hoffte damals noch, den Ausstoß dieses Abgases stoppen zu können, "ehe es meßbare ökologische und klimatologische Wirkungen hinterlassen hat". So optimistisch war ausgerechnet eine Studie, die sonst eher als Weltuntergangsszenario gilt: "Die Grenzen des Wachstums" von 1972, der erste Bericht an den Club of Rome. Zum zwanzigjährigen Jubiläum der Gründung dieser Vereinigung von Wissenschaftlern und Wirtschaftsmagnaten aus mittlerweile 43 Nationen im Jahre 1968 hat der Hannoveraner Naturwissenschaftler Eduard Pestel in einem neuen Bericht an den Club of Rome an die Politiker appelliert, in einer großen Solidaraktion die nach wie vor ungelösten Welt- und Menschheitsprobleme endlich anzupacken.

Eduard Pestel: Jenseits der Grenzen des Wachstums. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1988; 208 Seiten, 24 DM.

Seine Forderungen: Stopp der Ressourcenverschwendung des Wettrüstens, keine Waffenlieferungen an die Dritte Welt (der "schamloseste und beschämendste Ausdruck rücksichtsloser Machtpolitik"), mehr Solidarität zwischen reichen und armen Völkern und: weg mit Politikern, die sich nur von den jeweils nächsten Wahlen treiben lassen.

"Jenseits der Grenzen des Wachstums" ist ein etwas in die Irre führender Titel: Denn nur im ersten, kleineren Teil des Buches setzt sich Pestel, von Anfang an im Exekutivkomitee des Club of Rome, kritisch mit den "Grenzen des Wachstums" auseinander. Diese am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entstandene Computersimulation war zu dem Ergebnis gekommen, daß in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts unweigerlich das Weltmodell zusammenbricht, weil das bisherige Wachstum von Bevölkerung, Industrieproduktion, Rohstoffverbrauch, Umweltverschmutzung und Nahrungsmittelproduktion nicht mehr aufrechterhalten werden kann.