Im Frühsommer ist mit einer Flut kleiner Blutsauger zu rechnen, die in Urlaubsgebieten auf Spaziergänger und Wanderer warten: Zecken sind nicht nur lästig, sondern auch gefährlich.

Sie hocken in Büschen oder auf Ästen und warten auf ihr Opfer. Kaum riecht die hungrige Zecke einen Warmblüter, läßt sie sich fallen und landet mit etwas Glück im Pelz eines Hundes, Schafes, Rindes oder auf der Haut eines Menschen. Dort sucht sich das nur wenige Millimeter große Milbentier – auch als Holzbock bekannt – ein warmes, geschütztes Plätzchen. Es beißt sich fest und schwillt innerhalb von sieben bis 13 Tage blutsaugend zu einer erbsengroßen Kugel an, um sich schließlich fallen zu lassen und davonzustehlen.

Übergossen mit einem Tropfen Öl oder Klebstoff, ist der Schmarotzer nach ein paar Minuten mit einer Pinzette herauszudrehen. Dabei muß man darauf achten, auch den Kopf zu erwischen, der isoliert Entzündungen hervorrufen kann.

Doch eine Zeckenattacke kann schlimmere Folgen haben. Denn diese Milben übertragen zwei gefährliche Krankheiten: Die Lyme-Borreliose und die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME).

FSME ist eine Virusinfektion, die bei einem Prozent der Erkrankten zum Tode führt und bei 15 Prozent dauernde Lähmungen hinterläßt. Drei bis 14 Tage nach der Infektion treten grippeähnliche Beschwerden mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Dann klingen die Symptome für eine Woche ab, anschließend erwarten einen Teil der Infizierten hohes Fieber, heftige Schmerzen, steifer Nacken, Übelkeit und Lähmungen – Folgen von Enzündungen der Hirnhaut und des Gehirns.

Schützen können sich die Gefährdeten – vor allem Wanderer, Pilz- und Beerensammler, aber auch Förster, Waldarbeiter, Landwirte – durch eine Impfung in drei Etappen: Nach der ersten Injektion wird innerhalb von vier bis zwölf Wochen nochmals gespritzt, dann nach zwölf Monaten ein drittes Mal. Das hält für drei Jahre vor. Auch ein nachträglicher Schutz ist noch bis zu vier Tage nach einem Biß möglich.

Mit FSME-Viren verseuchte Zecken lauern vor allem in Österreich, in Teilen Baden-Württembergs und Bayerns, in der Nordschweiz sowie in weiten Gebieten Jugoslawiens, Ungarns, Polens, der ČSSR und der DDR, auch in manchen Gegenden Skandinaviens. Eine Infektion nach einer Zeckenattacke ist allerdings nicht zwangsläufig, nur jede hundertste Zecke schleppt die Erreger mit sich herum und überträgt sie auch nicht mit jedem Biß.