Grenzen dicht

Wer in den letzten Wochen Freunde oder Verwandte in Rumänien mit Fleisch, Wurst, Kaffee und Kakao erfreuen wollte, erhielt eine ernüchternde Antwort: Die rumänischen Behörden liefern seit Anfang des Jahres die Pakete aus dem westdeutschen Versanddienst nicht mehr aus. Die kleinen Geschenke aus dem Westen galten dem „Conducator“ Nicolae Ceausescu offensichtlich schon als zu große Versuchung. In Zukunft dürfen sich die Bürger von den Westfreunden nur noch einheimische Waren finanzieren lassen. Entweder erhalten sie standardisierte Pakete, deren Lieferzeiten bis zu drei Monaten dauern, oder Warenbons für die rumänischen Comturist-Verkaufsstellen. So oder so – der Nutznießer ist der Staat. Denn er erhält die Devisen, mit denen westliche Auftraggeber den Absatz rumänischer Waren heben.

Reagans Zurückhaltung

Ronald Reagan wird bei seinem Moskau-Besuch im nächsten Monat keine Verkehrsstauungen auslösen. Soviel ist in Erwartung des Gipfeltreffens immerhin abzusehen, nachdem das Weiße Haus verlautbart hat, der Präsident werde bei seinen Fahrten durch die sowjetische Hauptstadt keinen spontanen Kontakt mit der Bevölkerung suchen. Der Grund für die beabsichtigte Zurückhaltung wurde gleich mitgeliefert, und er verdeutlicht, wie sich die Zeiten und das Gefälle bei der Öffentlichkeitsarbeit der Supermächte geändert haben: Der einstmals große Kommunikator möchte nicht in den Verdacht geraten, seinen erfolgreichen PR-Konkurrenten Gorbatschow zu imitieren. Der hatte beim Washingtoner Gipfel Ende des vergangenen Jahres unplanmäßig Passanten die Hände gedrückt und damit viel Aufsehen erregt.

Alan Paton

Ein großer Südafrikaner ist gestorben: der Schriftsteller Alan Paton. Er wurde 85 Jahre alt. Geboren in Pietermaritzburg (Natal), errang der besonnene, dennoch scharfe Kritiker der Apartheid 1948 Weltruhm mit seinem Roman „Denn sie sollen getröstet werden“. Seitdem trug Paton den ehrenvollen Beinamen „Das Gewissen der Weißen“. Sein Vater, ein Schotte, war ein strenggläubiger Gerichtsschreiber gewesen. Im Jahr seines größten Bucherfolges ging Alan Paton auch in die Politik, als Gründer und Präsident der Liberalen Partei. So entschieden seine Ablehnung der Rassendiskriminierung in Südafrika war, so energisch er ihre Abschaffung forderte – so skeptisch war er bis zuletzt, ob er diesen Wandel noch erleben würde. Seine düstere Prognose, vor zehn Jahren niedergeschrieben, ist aktuell geblieben: „Immer wieder kommt mir ein Bild in den Sinn, und es ist kein schönes Bild. Ein Mann lebt in einem Haus, das vollgestopft ist mit seinen Besitztümern. Die Armen, die Hungernden und die Ausgebeuteten klopfen unentwegt an die Tür. Einige Mitglieder der Familie beschwören ihn, die Tür zu öffnen; andere raten ihm, sie um keinen Preis zu öffnen. Da hört er ein gebieterisches Klopfen, das keinen Widerspruch duldet. Er öffnet die Tür und sieht, daß es der Tod ist, der auf ihn wartet.“