Von Thomas Hanke und Fritz Vorholz

ZEIT: Herr Sutherland, bei den Unternehmen in der Europäischen Gemeinschaft ist ein Fusionsfieber ausgebrochen. Gefällt Ihnen das, weil größere Unternehmen international konkurrenzfähiger sind, oder mißfällt es Ihnen, weil der Wettbewerb gefährdet wird?

Sutherland: Ich halte nichts von ideologischen Diskussionen über die wünschenswerte Größe eines Unternehmens. Ob eine Fusion den Wettbewerb in einem bestimmten Sektor einschränkt, muß im Einzelfall geprüft werden. Wenn die Partner in unterschiedlichen Sektoren aktiv sind, stellen sich jedenfalls keine wettbewerbsrechtlichen Fragen. Die ganze Debatte über Marktmacht ist eher politisch. Wir, als EG-Kommission, haben uns darum bemüht, Rationalisierungen voranzutreiben. Die EG benötigt zum Beispiel keine dreizehn Lkw-Hersteller. Deshalb haben wir uns für Kooperationen eingesetzt.

ZEIT: Der Wettbewerbskommissar bahnt Unternehmenszusammenschlüsse an?

Sutherland: Früher war man Großunternehmen gegenüber generell sehr skeptisch. Ich bewerte es als positiv, wenn eine Fusion Größenvorteile erschließt und zu sinkenden Stückkosten führt;

ZEIT: Im Hinblick auf den europäischen Binnenmarkt sprechen manche Beobachter schon von „Europe Incorporated“.

Sutherland: Das sind Schlagworte, die die Situation gröblich vereinfachen. Aber natürlich wird die Vollendung des Binnenmarktes bis 1992 die Politik der Unternehmen verändern. Grenzüberschreitende Fusionen werden ihnen helfen, mit dem einheitlichen europäischen Markt besser zurechtzukommen.