Die Länder Nordeuropas gelten als teure Reisegebiete – manchmal zu Unrecht. Mit einer Vielzahl von Angeboten versuchen zum Beispiel Flug-, aber auch Bahn- und Buslinien in den Sommermonaten ihre Plätze zu füllen.

Bei Finnlands Fluggesellschaft Finnair kann man auf dem Inlandsstreckennetz für 250 Dollar (zirka 410 Mark) mit dem „Holiday Ticket“ 15 Tage so oft in die Luft gehen, wie man will. 21 Orte in Finnland werden angeflogen, Ivalo am See Inari in Lappland gehört dazu, ebenso Mariehamn, die Hauptstadt der Alandinseln. Für Jugendliche zwischen zwölf und 23 Jahren kostet das „Holiday Ticket“ 200 Dollar. Der Flugschein ist nur außerhalb Finnlands erhältlich.

In Norwegen bietet die Inlandsfluggesellschaft Brathens Safe vom 1. Mai bis zum 30. September den „Visit Norway Pass“ mit zwei Flugscheincoupons für 175 Mark und mit vier für 325 Mark. Wer mit der isländischen Icelandair vom Kontinent nach Reykjavik fliegt, kann für 300 Mark einen „Island Airpass“ kaufen, der zu vier Inlandsflügen berechtigt; vom 1. April bis zum 14. Juni und vom 1. September bis zum 31. Oktober sind gar zwei Inlandsflugstrecken im Flugpreis Frankfurt- beziehungsweise Luxemburg-Reykjavik enthalten.

In Schweden zeigen sich die Fluggesellschaften SAS und Linjeflyg mit ihren „Minipreis“-Tickets familienfreundlich: Für einen Hin- und Rückflug mit mindestens zwei Übernachtungen am Zielort (oder der Nacht von Samstag auf Sonntag) zahlt ein Erwachsener den halben Normaltarif, ein mitreisender Erwachsener sowie Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren fliegen pauschal für etwa 58 Mark und Kinder zwischen zwei und zwölf Jahren für rund 29 Mark mit. Dies gilt für Flüge über einen Streckenabschnitt des Inlandsflugnetzes; wer in Stockholm umsteigen will, um zum Beispiel von Malmö in Südschweden nach Kiruna im hohen Norden des Landes zu kommen, muß pro Person für ein Retourticket etwa 29 Mark zuzahlen. Personen, die nicht älter als 25 Jahre sind, können innerhalb Schwedens auch einfache Strecken Standby fliegen. Ungefähr 43 Mark kostet der erste Streckenabschnitt, zirka 29 Mark ein Anschlußflug.

Gegen diese Billigfliegerei kontern die Bahngesellschaften mit einer Vielzahl von Angeboten. Das umfassendste ist die „Nordtourist“-Karte für 21 Tage unbegrenztes Bahnfahren in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Das Ticket kostet 390 Mark in der 2. Klasse und 587 Mark in der 1. Die „Nordtourist“-Karte ist auch auf vielen Fährlinien gültig oder verschafft wenigstens Ermäßigungen. Auf finnischen Bahnstrecken kann man den „Finnrail-Paß“ nutzen, der für acht Tage unbegrenztes Reisen etwa 170 Mark, für 15 Tage zirka 240 und für 22 Tage rund 305 Mark in der 2. Klasse kostet. Wer 1. Klasse reisen will, muß 50 Prozent mehr zahlen.

Sehr gut ausgebaut sind auch die Überlandbusnetze. In Finnland gibt es dafür im Sommer ein 1000-Kilometer-Ticket für 92 Mark, das innerhalb von zwei Wochen abgefahren werden kann.

Wer bei einer preiswerten Rundreise nach einer adäquaten Übernachtungsmöglichkeit sucht, sollte zwei Punkte beachten: Jugendherbergen in Nordeuropa – dort heißen sie meist Wandererherbergen – haben die Funktion preiswerter Landgasthöfe oder Familienpensionen übernommen und bieten in der Regel gegen geringen Aufpreis Doppel- und Familienzimmer. Wer ein Hotel vorzieht, sollte die vielen Bonus-Pässe oder Hotelcheque-Systeme beachten, die in den Sommermonaten erhebliche Rabatte bringen – ausgenommen in reinen Ferienhotels.

In Dänemark finden alle 15- bis 25jährigen in den ersten 14 Tagen der dänischen Sommerferien (vom 19. Juni bis zum 3. Juli) in rund 60 Städten Unterkünfte, in denen sie gratis übernachten können. Wer in dieser Zeit die Eisenbahn benutzen möchte, kann an dänischen Bahnhöfen für etwa 105 Mark eine Netzkarte lösen, die zu unbegrenztem Bahnfahren berechtigt. Auf den dänischen Bahnhöfen gibt es auch, unabhängig vom Fahrkartenverkauf, eine Liste der Übernachtungsstätten. Hans Klüche