Daß die Chemie zwischen Menschen manchmal partout nicht stimmt, kommt vor. Gemeinhin trennt man sich dann mit Anstand, jedenfalls nicht so, wie das auf Spitzenebene des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) eingefädelt wurde. Zwischen dem Präsidialgeschäftsführer des Verbandes, Otto Greve, und seinem Geschäftsführer Arno L. Schmitz, ein geschätzter Kenner der Branche, war der Kontakt noch nie so herzlich. Dafür gab es gewichtige Gründe. Einer ist sicher die Tatsache, daß Greve nicht nur oberste Geschäftsführer-Funktionen hat, sondern obendrein auch noch Präsident des BDLI ist, mithin Kontrolleur und Kontrollierter in einer Person. Das ist eine mehr als unübliche Konstruktion, die zwangsläufig zu internen Reibungen führen muß. Überdies gilt Greve als schwierige Person. Als früherer Präsident des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung in Koblenz hatte sich der Mecklenburger den Beinamen „Herzog von Mecklenburg“ erworben. Solches kommt nicht von ungefähr.

Im Herbst vergangenen Jahres wollte Greve nun seinen Schmitz Knall auf Fall loswerden. Das ließ der sich nicht gefallen, immerhin gibt es ein Arbeitsrecht. Anwälte bekamen zu tun, verhandelten und handelten schließlich eine kürzlich erfolgte „einvernehmliche“ Trennung inklusive honoriger Abfindung und Altersversorgung für den 61jährigen Schmitz aus. Daß dies mehr ein Werk von Hanns-Arnt Vogels war, Chef von MBB, seit ein paar Tagen neuer BDLI-Präsident und damit Nachfolger von Greve, ist allseits bekannt. Immerhin hat Vogels Schmitz sogar noch mit Vorarbeiten für die Internationale Luftfahrt-Schau in Hannover beauftragt, was nur für dessen Wertschätzung spricht.

Damit wäre die Sache eigentlich erledigt gewesen, hätte Greve nicht noch ein wenig nachgekartet, wie unlängst im Bonner Branchenbrief Wehrdienst genüßlich ausgebreitet wurde: Laut Wehrdienst hat Greve, der Ende Juni auch noch als Geschäftsführer des BDLI ausscheidet, „in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Schlösser des Verbandsgebäudes auswechseln lassen und damit Schmitz ausgesperrt“. Diese besonders feine Art war wohl auch ein Hieb gegen MBB-Chef Vogels. Der muß nun als neuer BDLI-Präsident die Scherben aufkehren, die der „Herzog“ hinterlassen hat. So ist wohl auch der Kommentar aus dem BDLI – „wir fangen jetzt neu an“ – zu verstehen. Als Geschäftsführer wird Vogels dabei Hans-Georg Brodach, derzeit noch Abteilungsleiter beim Bundesverband der Deutschen Industrie, zur Seite stehen.

Eine Sternstunde des Parlaments war die Bundestagsdebatte über die Vorschläge der Sachverständigenkommission zur Neuordnung der Gemeinnützigkeit in der letzten Woche bestimmt nicht. Es war schon beschämend, wie ausnahmslos alle Redner einschließlich der Grünen ihren Kotau vor den Sportfunktionären machten und so taten, als werde das gesamte deutsche Sportwesen zusammenbrechen, wenn die Vorschläge verwirklicht würden. Der SPD-Abgeordnete Peter Büchner verstieg sich sogar zu dem Vorwurf, die Gutachter der Kommission, alles achtbare Juristen, hätten sich „durch sportfeindliche, vorurteilsbeladene Äußerungen“ hervorgetan.

Das eigentlich Ärgerliche an der Debatte aber war die Tatsache, daß die Parlamentarier ein Gutachten diskutierten, das sie überhaupt nicht kannten. Außer einer Kurzfassung, die den 500 Seiten der Untersuchung überhaupt nicht gerecht wird, hatten die Abgeordneten nichts in der Hand, um die Sache qualifiziert zu erörtern. Die Kommission räumt nämlich nur mit steuerrechtlichem Wildwuchs und unhaltbaren Privilegien auf, im übrigen will sie die Steuerbefreiung für Vereine sogar deutlich ausweiten. Wolf gang Hoffmann