Den Schlampereien in Mailands Pinacoteca Brera sind über 20 kostbare Gemälde zum Opfer gefallen.

Die Madonna erbleichte, ihr Kind bekam Blasen, die Engel Sprünge. Blaß wurden auch die Restauratoren, als sie unlängst das Gemälde von Piero della Francesca in Augenschein nahmen: Eines der wertvollsten Werke der Mailänder Pinacoteca Brera war übel lädiert. Raumtemperaturen von fast 25 Grad hatten die Farben verbrannt und angefressen.

Damit nicht genug: Mindestens 20 andere kostbare Tafeln und Bilder, darunter Giulio Campis „Madonna mit Kind“, Andrea Previtalis „Auferstehung“ oder die „Mutter mit Kind“ von Carlo Carrà, wiesen ebenfalls schwere Schäden auf, manche bis zu 50 Brandflecken oder Risse.

Die Katastrophe in einer der reichsten europäischen Sammlungen mittelalterlicher Kunst wäre vermeidbar gewesen. Die 113 Saalwärter des Brera-Museums hatten schon vor mehr als einem Jahr kräftig Alarm geschlagen, darauf hingewiesen, daß die Temperaturen in den Ausstellungsräumen ungebührlich schwankten und die Luftfeuchtigkeit ständig außer Kontrolle geriet.

Die Verantwortlichen haben auf die Signale der Basis so gut wie gar nicht reagiert: Als nach dem plötzlichen Gemäldesterben eine hektische Suche nach den Ursachen begann, stellte sich heraus, daß die Luftbefeuchter kaputt, die Klimaanlagen aus den Fugen waren.

Während die Restauratoren alle Hände voll zu tun hatten, die ärgsten Blessuren mit Pflastern und Spezialbädern und -packungen zu beheben, begann das gewohnte Ritual der Schuldzuweisungen. „Skandal“ und „Horror“ zeterte die italienische Tageszeitung Repubblica – die wegen Ferien stark ausgedünnte Brera-Führungsmannschaft konterte mit Ausflüchten: Das Mailänder Wetter sei an der Kunstkatastrophe schuld, es sei unmöglich gewesen, den abrupten Temperaturanstieg im Freien zu kompensieren.

Die anderen großen Mailänder Museen, das Castello Sforzesco und das Museum Poldi Pezzoli, waren indessen durchaus in der Lage, ihre Kunstschätze vor dem kritischen Klima zu schützen.