Von Klaus-Peter Schmid

Frankreichs Staatspräsident François Mitterrand, das erkennen auch seine Gegner an, ist ein ausgebuffter politischer Taktiker. Die Art, wie er seine erneute Bewerbung für das höchste Amt im Staate so lange wie möglich hinausschob, um dann um so effektvoller die Trommel zu rühren, ließ Theoretiker und Praktiker des politischen Marketing in Entzücken geraten.

Daß der Kandidat Mitterrand sich aber partout nicht mehr als Sozialist zu erkennen gibt, das ist schon eine erstaunliche Sache. 1981, als er in den Elysée-Palast einzog, war er eindeutig ein Mann der Linken, getragen von einer Welle der Hoffnung auf bessere Zeiten. Hinter ihm stand nicht zuletzt das Heer der Unzufriedenen und Zukurzgekommenen, die auf eine neue Politik setzten, eine eindeutig linke Politik.

Davon ist heute keine Rede. Mitterrand und seine Wahlkämpfer vermeiden es, sich auf die sozialistische Wirtschaftspolitik der ersten Amtszeit zu berufen. Aus gutem Grund; denn sie war ein ebenso kurzes wie erfolgloses Experiment, das die Linke erstaunlich schnell verdrängt hat.

In einer gründlichen Untersuchung hat Henrik Uterwedde, Mitarbeiter am Deutsch-Französischen Institut in Ludwigsburg, die Wirtschaftspolitik zu Beginn der Ära Mitterrand analysiert:

  • Henrik Uterwedde: Die Wirtschaftspolitik der Linken in Frankreich. Programme und Praxis 1974–1986. Campus Verlag, Frankfurt/New York 1988; 320 Seiten, 48,– DM.

Das ernüchternde Ergebnis: Unermüdliche Begeisterung und ambitionierte Zielsetzungen genügten nicht, um frühe Fehlschläge zu vermeiden. Der Wirtschaftspolitiker Mitterrand hatte schon nach drei Jahren seiner Politik abgeschworen.