Am 1. Mai stirbt Uwe Barschel – auf der Bühne des Hamburger Schauspielhauses. Drei Hexen geleiten ihn ins Badezimmer, helfen ihm in die Wanne, reichen ihm den mit Tod gewürzten Wein. Wenig später, wenn das Spektakel vorbei ist, kommen alle Schauspieler zum Finale auf die Bühne und singen im Chor (nach der Melodie "Wir lagen vor Madagaskar"): "Wir liegen vor Schleswig-Holstein/wo wir gestrandet sind/jetzt warten wir auf den Wahlfang/und auf einen frischen Wind".

Nein, das ist nicht das Barschel-Drama, das uns Peter Zadek versprochen hat. Noch nicht. Doch weil der Intendant sein Versprechen halten wird (wie alle seine Versprechen), können wir voll Zuversicht harren – zumal uns jetzt eine Ersatzmannschaft die Wartezeit kürzt. Am 1. Mai gastieren im Deutschen Schauspielhaus die "University Players" aus Hamburg mit einem Stück des Anglistik-Professors Dietrich Schwanitz: "Macbarsh oder: Shakespeares schmutzige Tricks".

Wie immer die Premiere ausgehen mag, eines steht heute schon fest: Es wird gelacht werden im Hamburger Schauspielhaus. Gelacht über den schurkischen Ryne O’Fife und das schmierige Trio McStult/McCrib/McGoat. Gelacht über die tatsächlich kuriosen Parallelen zwischen Shakespeares gewaltigem Drama und der schäbigen Kieler Affäre. Gelacht aber auch über Macbarsh, vielleicht auch über seinen elenden Tod. Muß das, darf das sein?

Schon hatten wir Barschels Tod als T-Shirt und als Witz im deutschen Karneval. Und wie unsere Politiker (wenn sie nicht gerade Trauer und Betroffenheit öffentlich darstellen müssen), wie sie in ihren Stammkneipen und Hinterzimmern über die Kieler Affäre reden, schwadronieren, lästern, kann man sich ohne viel Mühe vorstellen. Denn vom "neuen Umgang miteinander", den man nach Barschels Ende vollmundig beschwor, spüret man kaum einen Hauch.

Warum sollte das Theater eine Pietät üben, von der man sich in der Politik längst wieder verabschiedet hat. "Theater", sagt Peter Zadek, "muß aufhören, eine höfliche Angelegenheit zu sein. Theater imitiert das Leben." Und wenn das Leben, fahren wir fort, eine Tragödie und eine Posse zugleich ist, dann muß auch die Farce im Trauerspiel gezeigt werden. Dann muß auch über Uwe Barschel gelacht werden dürfen – dort, wo sein Treiben lächerlich war.

Doch ganz wohl ist einem nicht bei dieser Behauptung. Trägt das Lachen im Theater (nach abertausend Reportagen und Leitartikeln, nach dem Bericht des Kieler Untersuchungsausschusses, nach der Flut der Barschel-Bücher) wirklich noch zur Wahrheitsfindung bei? Oder ist esnur noch das Gaudium intellektueller Pharisäer, die sich an Barschels Untergang ergötzen wie schlichtere Gemüter an Bluttaten oder Hochwasserkatastrophen? Ist über Barschel zu lachen nicht genauso schmutzig, wie für Barschel zu lügen?

Die Antwort gibt ganz allein der Text. Und der ist alles andere als ein platter, schadenfroher Jux. "Macbarsh", eine intelligente Persiflage des "Macbeth" (angereichert mit Szenen und Zitaten aus "Julius Caesar", "Hamlet", "Richard III." u.a.), gibt den Kieler Affären und Figuren eine Wucht und Größe, derer sie in der Wirklichkeit doch wohl ermangelten. Wenn das Stück eine Geschmacklosigkeit ist, dann höchstens eine gegen Shakespeare – der es mitansehen muß, daß man sein Welttheater nach Schleswig-Holstein verschleppt; daß man die Kribbens und Stoltenbergs Shakespeare sprechen läßt.