Weil die Geschichte doch schon eine Weile her ist, dürfen wir Ihrer Erinnerung zur Hand gehen. Also: Als dieser Ur-Israelit mit dem ur-ägyptischen Namen (Suchwort: Mose) den von ihm geführten Flüchtlingstreck mit ziemlichem Dusel (Suchwort: Rotes Meer; Schilfmeer) vor den Greiftrupps des Pharaos in Sicherheit gebracht hatte, stieß man drei Monate später nach einer reichlich sandigen Wegstrecke (Suchwort: Wüste) auf bis heutigentags eindrucksvolle Erhebungen vulkanischen Ursprungs (Suchwort: Sinai). Als nun der dritte Tag kam und es Morgen ward, da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dichte Wolke auf dem Berge und der Ton einer sehr starken Posaune (Suchwort: 2. Mose 19, 16). Da stieg Mose auf den Berg und nahm zwei von Jahwes Finger beschriebene Steintafeln entgegen (Suchwort: Zehn Gebote) nebst kapitellangen zusätzlichen Anweisungen, an denen einen rechten Christenmenschen schon immer besonders erfreute, daß sie ihm nicht galten; wo man doch mit den Zehn Geboten schon seine Mühe und Not hat, ist doch wahr.

Als Mose zu seinem Volk zurückkehrte, hatte es sich aus Ohrringen und Halsketten ein Götterbild erschmolzen (Suchwort: Goldenes Kalb). Mose tobte darüber vor Zorn und zerschmetterte die Steintafeln, daß kein Jota mehr zu lesen war. Das hätte ein Chaos gegeben! Doch weil das Abhandenkommen jeglicher sittlich-moralischer Wertmaßstäbe erst als Strafe für sehr viel später Geborene vorgesehen war, ließ Jahwe den Mose zwei neue Steintafeln zurechthauen. Der nächste Schritt ist strittig. Mal sagt laut Überlieferung Jahwe, er selbst werde die Worte schreiben, „die auf den ersten Tafeln standen, die du zerbrochen hast“. Mal heißt es: „Und der Herr sprach zu Mose: Schreib dir diese Worte auf. Und er schrieb auf die Tafeln.“ (Suchwort: 2. Mose 34, 1 und 28). Wer auch immer die zweite Auflage zu Stein brachte, gut, wenn man weiß, wo man sie findet, wenn man sie sucht.

Das liegt schon von Haus aus niemandem mehr am Herzen als der Deutschen Bibelgesellschaft in Stuttgart. Mit Grifftabellen, Nachschlagewerken und allerlei mehr altväterlichen Hilfen sorgte sie sich darum, daß das meistgedruckte Buch auch genutzt wird. Auf der jüngsten Frankfurter Buchmesse machte das unauffällige Unternehmen dann Schlagzeilen: Das älteste Buch der Welt jetzt auf dem jüngsten Medium, 17 Floppy-Discs machen Gottes Wort kompatibel für den Personal Computer PC!

Auf 16 Disketten sind die 1500 Seiten der Luther-Bibel bequem untergekommen, in zwei bis drei Stunden läßt sich der Stoff auf Festplatte kopieren, neuneinhalb Megabyte Speicherkapazität werden damit belegt, bleibt bei einem konventionellen 20 MB-Speicher noch locker Platz für Bezugsquellennachweise von Kerzen, Paramenten, Meßwein und was sonst so im Pfarrhaus fehlt.

Die siebzehnte Diskette, gefertigt unter Beistand des Bertelsmann-Verlags, enthält den Schlüssel: ein Suchprogramm, das mit Hilfe von Suchworten jedes in der Bibel enthaltene Stichwort zwischen „Himmel“ und „Hölle“ aufspürt und ausdruckt. Zwei Drittel der für 300 Mark angebotenen PC-Bibeln sind schon verkauft, wie der Verlag dieser Tage meldete, und auch die bescheidene Auflage von 500 Stück (Stichwort: Senfkorn-Gleichnis) hält uns darum nicht davon ab zu grübeln: Wozu mag das nur wieder gut sein?

Die Antwort ist zwiefältig: Zum einen nimmt die Zahl jener Pfarrer wohl unaufhaltsam ab, die die dünngeblätterte Bibel auf den Knien, den Stichwortzettelkasten im Kopf und das dickleibige Nachschlagewerk vom Kaliber „Calwer Konkordanz“ nicht nur als Stütze unter dem wackligen Sofa haben. Auch die durch zahllose Verpflichtungen der Bibellektüre entfremdeten Pastoren haben wieder eine Chance. Der PC wehrt also geistlicher Verarmung. Der zügigen Umrüstung von Altarbibeln auf PC mit Monitor samt Verkabelung aller Kirchenbänke sehen wir gefaßt entgegen.

Zum zweiten versprechen wir uns, wenn schon die Predigten auch fürderhin immer irgendwie ähnlich klingen, eine größere Variation an Bibelstellen, aus denen die Predigt vorgeblich jeweils neu geschöpft wird. Wir erhoffen uns beispielsweise, daß dem PC zum Thema „Frieden“ oder „Umwelt“ auch wieder einmal andere Bibelstellen als „Schwerter zu Pflugscharen“ oder „Schöpfungsgeschichte“ einfallen.

Die Diskettenbibel hat seit der ersten Auflage des Dekalogs an Bruchfestigkeit gewonnen. An der allgemeinen Sprachverwirrung trägt auch sie. So taugt die 5 1/4 Zoll-Bibel nach IBM-Standard nicht für den auf 3 1/2 Zoll ausgelegten Atari PC. Suchwort: Turmbau zu Babel. Günther Mack