In Angola kann keiner gewinnen: Die Kubaner sprechen vom Rückzug, doch Südafrika schweigt

Von Michael Stührenberg

Luanda, im April

Träge wogt das Elefantengras in der schwachen Brise, die um die Mittagsstunde ein wenig Frische in das sonnenverbrannte Tal am Cuito-Fluß haucht. Die runden Lehmhütten mit den fast bis zum Boden reichenden Strohdächern ducken sich in der Hitze. Über dem Dorf kreisen ein paar Geier, sonst rührt sich nichts. Eine Szene wie aus Grzimeks "Serengeti darf nicht sterben". Doch das hier ist nicht die Serengeti, sondern Südangola. O fim do mundo, wie die portugiesischen Kolonialherren es nannten, das Ende der Welt. Und Sterben ist hier an der Tagesordnung.

Ein schrilles Pfeifen folgt in kurzem Abstand dem dumpfen fernen Donner. Dann kehrt für ein paar Sekunden Stille zurück ins Cuito-Tal – bis zum dröhnenden Einschlag der Granate. Eine breite Rauchsäule erhebt sich meterhoch über die zerfetzten Strohdächer von Cuito Cuanavale. Dort, wo eben noch eine Hütte stand, klafft nun ein Loch. Die südafrikanische Artillerie hat getroffen: eine Hütte weniger am Ende der Welt.

Oberstleutnant Ngueto, Kommandeur der sechsten angolanischen Militärregion, ist erst dreißig. Doch sein Gesicht weist ihn als einen frühzeitig gealterten Kämpfer aus. Die seit Dezember tobende Schlacht um Cuito Cuanavale hat seine zahlreichen Falten sicherlich noch vertieft. Auch an ruhigen Tagen wie heute fallen bis zu zweihundert Granaten auf die verlassene Ortschaft am Cuito-Fluß.

Welche Opfer die angolanischen Regierungstruppen Fapla haben bringen müssen, um die von Pretoria entsandten "Rassisten" und "Schlächter" abzuwehren, will Ngueto nicht sagen. Generalstabskreise in der Hauptstadt Luanda geben die Verluste inoffiziell mit dreihundert Toten und neunhundert Verwundeten an. Vermutlich waren es mehr. Das ist ein hoher Preis für die jungen schwarzen Soldaten in den grün-braun-gescheckten Uniformen. Der 20jährige Eduardo kämpft seit sechs Jahren ununterbrochen am Ende der Welt. Wie viele seiner Gefährten seither gefallen sind, weiß er nicht. "Aber heute", bemerkt Eduardo stolz, "haben wir nach Südafrika die zweitstärkste Armee der Region. Als ich Soldat wurde, ähnelten die Fapla noch immer einer Guerilla-Truppe aus den Tagen des Unabhängigkeitskrieges gegen die Portugiesen. Jetzt können wir mit den modernsten sowjetischen Waffen umgehen."