In seinem Urteil gegen Abbas Hamadi ging der fünfte Strafsenat des Düsseldorfer Oberlandesgerichts deutlich über den Strafantrag der Bundesanwaltschaft hinaus.

Wegen Geiselnahme in zwei Fällen, Nötigung der Bundesregierung sowie wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verurteilte das Gericht den 29jährigen Deutsch-Libanesen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von dreizehn Jahren. Die Bundesanwaltschaft hatte elfeinhalb Jahre, die Verteidigung Freispruch beantragt.

Der Senat sah es als erwiesen an, daß der Angeklagte an den Entführungen von Rudolf Cordes und Alfred Schmidt in Beirut „aktiv“ mitgewirkt hat. Dies ergebe sich aus abgehörten Telephonaten, die Hamadi vom Libanon aus mit Freunden im Saarland geführt und in denen er stets von „wir“ gesprochen habe.

Er habe offensichtlich zu den „Entscheidungsträgern“ gezählt. Als besonders gravierend wertete das Gericht die „in hohem Maß verwerflichen Beweggründe“ der Entführungen sowie die „mittelalterlichen Kerkerbedingungen“ der Geiselhaft. Für den Schmuggel von Flüssigsprengstoff aus dem Libanon in die Bundesrepublik verurteilte der Senat Hamadi auch wegen Vergehens gegen das Luftverkehrsgesetz.

Vor der eigentlichen Urteilsbegründung verlas der Vorsitzende Richter Klaus Arend eine Erklärung zu diesem Verfahren, in der er den internationalen Terrorismus in äußerst scharfem Ton geißelte.

Daß die Entführer „bei jeder unpassenden Gelegenheit das Wort Gott“ benutzten und Gott „als Komplizen einbinden“, empfinde er „als Lästerung“. Abbas Hamadi spuckte während der Urteilsbegründung mehrmals zu Boden und erklärte hinterher, kein Wort verstanden zu haben.

Roland Kirbach