Beryl Markham schreibt so phantastisch gut, daß ich mich als Autor minderwertig fühle.“ Diese Worte voll des Lobes fand kein Geringerer als Ernest Hemingway – und er sagte sie über eine Berufspilotin. Beryl Markham muß eine Frau ganz nach seinem Herzen gewesen sein. Die unternehmungslustige Blondine, die den größten Teil ihres Lebens in Afrika verbrachte, war genauso versessen wie er auf die Löwenjagd und das Fliegen.

In „Westwärts mit der Nacht“ (Nymphenburger Verlagshandlung, Edition Meyster, München 1987; 304 Seiten, 36 Mark), ihrem ersten und „verdammt großartigen“ Buch (Hemingway), beschreibt Beryl Markham ihr abenteuerliches Leben im Afrika der späten Kolonialzeit, als Kenia für den Europäer noch ein Ort war, an dem seine Träume von unberührter Wildnis und Exotik Wirklichkeit wurden. In den USA hatte „Westwärts mit der Nacht“ seit seiner Wiederveröffentlichung 1983 lange die Bestsellerlisten angeführt. 1942 hingegen, als die Markham-Erinnerungen das erste Mal erschienen, fanden sie kaum Beachtung. Mag sein, daß im Zweiten Weltkrieg das koloniale Afrika allzu fern erschien, vielleicht mag auch Tania Blixens „Afrika, dunkel lockende Welt“ die Sehnsucht des weißen Mannes nach Finsternis gestillt haben.

Doch Beryl Markhams Memoiren können sich mit dem Blixen-Buch durchaus messen. Beide Frauen – zur selben Zeit allein auf sich gestellt auf einem fremden Kontinent, beide mit derselben Liebe zu Afrika und beide schriftstellerisch enorm begabt – erzählen von Kenia, seinem Hochland und seinen Bewohnern, den Kikujus und den stolzen Massai, berichten über Löwenjagden und die Weißen, die zu fliehen versuchen vor europäischem Lebensüberdruß.

Dennoch lesen sich die Bücher ganz unterschiedlich: Während Tania Blixen ihr Afrika stilisiert, mythisiert und verklärt, ist Beryl Markham direkter, bleibt sie auf der authentischen Erlebnisebene. „Westwärts mit der Nacht“ ist spannender, aufregender, in „Afrika, dunkel lockende Welt“ fesseln die Zwischentöne. Doch beide Bücher sind „Liebesbriefe an Afrika, an ihr Afrika; keinesfalls sind sie Rivalen, sie ergänzen einander“, so heißt es – zu Recht – im Vorwort zu „Westwärts mit der Nacht“.

Beryl Markham, die Pferdetrainerin, die Elefantenjägerin, war ein Mensch der Tat. 1906 nimmt ihr frischgeschiedener Vater, Captain Charles Clutterbuck, sie vierjährig mit nach Kenia. Das englische Mädchen lernt schießen, reiten und schließlich fliegen, wird Berufspilotin – und damit eine Kollegin von Denys Finch-Hatton, Tania Blixens Liebhaber (und vermutlich auch Beryls). 1936 wird die Pilotin Markham weltberühmt, als ihr die erste Atlantiküberquerung im Alleinflug von Ost nach West gelingt. Dreimal versucht sie es mit der Ehe – unter anderem mit einem Rugbyspieler – und zieht mit dem dritten Mann schließlich Ende der dreißiger Jahre nach Kalifornien. Doch mit 83 Jahren stirbt Beryl Markham 1986 in Afrika, in einem Bungalow nahe der Nairobi-Rennbahn: in dem kleinen Vorort Karen, getauft nach ihrer Kollegin Karen „Tania“ Blixen, mit der sie so vieles gemein hatte und über die sie in ihrem Buch kaum ein Wort verliert.

Uta van Steen