Schuldig sprach das Jerusalemer Bezirksgericht den von den Vereinigten Staaten ausgelieferten Exil-Ukrainer John Demjanjuk. Das Strafmaß wird später verkündet.

Vierzehn Monate hatte der Prozeß gegen „Iwan den Schrecklichen“ gedauert, der dreißig Jahre lang unbehelligt in Cleveland, im US-Bundesstaat Ohio als Automobilarbeiter gelebt hatte. Vor zwölf Jahren waren gegen den heute 68jährigen Demjanjuk die Ausbürgerungsermittlungen eingeleitet worden, 1986 kam dann die Auslieferung an Israel. Schuldig gesprochen wurde der Angeklagte in der 450 Seiten starken Urteilsbegründung, weil er an der Folterung und Ermordung von 850 000 Juden im Vernichtungslager Treblinka beteiligt gewesen ist, wie das Gericht nachwies. Seinen Behauptungen, er sei nicht der sadistische Schläger „Iwan der Schreckliche“, sein SS-Ausweis sei eine Fälschung des KGB, glaubte das Gericht nicht.

Demjanjuks ehemaliger US-Verteidiger Mark O’Connor meinte, „nirgendwo in der Welt hätte er einen so fairen Prozeß bekommen“. Seine Anwälte wollen dennoch vor den Obersten Gerichtshof gehen. Zum ersten und bisher einzigen Mal ist in Jerusalem ein Angeklagter hingerichtet worden: 1962 Adolf Eichmann. Außer für NS-Verbrechen gibt es in Israel die Todesstrafe nicht.

Demjanjuk nahm wegen eines Rückenleidens nicht an der stundenlangen Verlesung seines Urteils teil. Er lag in einer Zelle neben dem Gerichtssaal. Nach Abschluß der letzten Verhandlung ging er zu Fuß aus dem Gebäude und rief Reportern zu: „Ich bin nicht Iwan. Alles Unfug.“

D. St.